In einer globalisierten Welt gleichen sich die Kulturen an. Sollte man meinen. Man kauft beim schwedischen Möbelgiganten Ikea, liest den neuen Harry Potter auf Englisch und findet Citroëns neuen Kleinwagen Pluriel très chic. Alles ganz normal, eigentlich. Müssen aber deutsche und amerikanische Manager zusammenarbeiten oder italienische Ingenieure mit chinesischen Kollegen ein Projekt auf die Beine stellen, wird’s problematisch.

Kritik artikulieren, zeitliche Abläufe strukturieren, entscheiden, was wichtig ist – da gibt es gewaltige kulturelle Unterschiede. Längst haben große Unternehmen erkannt, dass Fremdsprachenkenntnisse allein für eine erfolgreiche Arbeit im Ausland nicht ausreichen, und schicken ihre Mitarbeiter vorher zum interkulturellen Trainingsseminar. Tiefere Kenntnisse ermöglicht das Studienfach Interkulturelle Kommunikation, kurz IKK. Es soll die Fähigkeit vermitteln, Eigenheiten zu identifizieren und zu verstehen, was hinter ihnen steckt. Warum also Chinesen ja sagen, wenn sie nein meinen, und warum es Spanier als grob empfinden, wenn Deutsche unverblümt äußern, was sie denken.

IKK lässt sich in Deutschland seit rund 15 Jahren studieren. Lange galt es im Lebenslauf als sicherer Hingucker, inzwischen hat es sich vom Exoten- zum Trendfach entwickelt: Über 20 Hochschulen haben Interkulturelle Kommunikation bereits im Angebot, wenn auch unter verschiedenen Titeln (siehe Internet-Link), jedes Jahr kommen neue hinzu.

Die interessantesten und am stärksten international ausgerichteten Programme bieten die Fachhochschule Köln und die Universität Bayreuth. Die FH Köln gründete gemeinsam mit der University of North Florida und der Université de Provence den 15-monatigen Aufbaustudiengang Internationales Management und Interkulturelle Kommunikation. Die Teilnehmer, zehn pro Land, studieren gemeinsam für einige Monate an jeder Partnerhochschule – gelebte interkulturelle Kommunikation – und erwerben Abschlüsse aller drei Einrichtungen.

Als besonders innovativ gilt der Joint European Master in InterCultural Communication, den die Universität Bayreuth 2002 mit sechs weiteren europäischen Hochschulen ins Leben gerufen hat. Von September bis Dezember lernen die Studenten gemeinsam in intensiven Blockseminaren auf dem Eurocampus, der jedes Jahr an einer anderen Partneruniversität angesiedelt ist. Außerdem müssen sie ein Praktikum absolvieren und eine Abschlussarbeit schreiben.

Doch nicht alles, was neu klingt, ist auch gut. Einige Hochschulen kombinieren einfach Altbekanntes unter einem neuen Etikett, wie die Universität Halle-Wittenberg. Für den Bachelor-Studiengang Interkulturelle Europa- und Amerikastudien, der hier seit dem Wintersemester 2002/03 läuft, wurden weder neue Lehrveranstaltungen geschaffen, noch wurde neues Personal eingestellt. Auch verzichtet die Universität auf praktische Übungen wie Rollenspiele oder Trainingsseminare. Dabei halten andere Universitäten gerade diese für wichtig. So hat die Universität Jena, die mit ihrem Studiengang BWL/Interkulturelles Management zu den etabliertesten IKK-Anbietern gehört, eigens eine Unternehmensberatung gegründet, in der die Studenten praktische Erfahrungen sammeln können. Und an der TU Chemnitz gibt es eine Juniorprofessur für Interkulturelles Coaching.

Die Jobaussichten für IKK-Absolventen erscheinen gut – sie können in den Personalabteilungen und der internen Kommunikation internationaler Unternehmen, Organisationen, Verwaltungen und NGOs arbeiten oder als selbstständige Trainer. Doch Christoph Barmeyer warnt vor Blauäugigkeit. Der Berater für deutsche und französische Unternehmen und Hochschullehrer für interkulturelles Personalmanagement an der Grand Ecole IECS Strasbourg sagt: "Der Arbeitsmarkt ist begrenzter, als viele denken. Es gibt eine kleine Gruppe etablierter Trainer, die seit Jahren von Unternehmen für interkulturelle Seminare gebucht werden. In den Personalabteilungen selbst existieren meist nur wenige Jobs für die Organisation von Austauschprogrammen." Barmeyer empfiehlt, IKK ergänzend zu einem Fach zu studieren wie BWL, Jura, Ingenieurwissenschaften, Pädagogik oder Psychologie. Viele Studiengänge integrieren Module dieser Fächer oder sind gleich mit BWL kombiniert.