Es begann alles Anfang 1999. Die Praktikantin Monica Lewinsky hatte Weltruhm erlangt, und Susan Stahnke war es dank Erotikfotos endlich gelungen, ihren langweiligen Job bei der Tagesschau loszuwerden. Ich orientierte mich an diesen Karrierestrategien. Und startete meine Journalisten-Laufbahn als Praktikantin bei einem Männermagazin.

Schon vom ersten Tag an war klar, dass ich es schwer haben würde. In der Redaktionsküche von Men’s Health lagen zwischen den Töpfen Hanteln herum. Im Besteckfach fand ich ein Buch über die Löffelchen-Stellung, auf der Toilette Fußballhefte – die Männer hatten ihr Revier gründlich markiert. Da stand ich nun, besaß noch dazu kaum journalistische Erfahrung. "Ist doch nicht so schlimm", tröstete mich der Sex-Redakteur beim Mittagessen. Und fügte erfreut hinzu: "Wir hatten vor dir übrigens noch nie eine rothaarige Praktikantin."

Erhoffen Sie sich solche Anekdoten von mir? Meine Freunde taten es damals. Und auch heute erwarten viele Leute Geschichten über ein Mädchen im Macholand, wenn ich erzähle, dass ich für ein Männermagazin schreibe. Ich muss sie dann immer enttäuschen. Die Szenen, die ich gerade schilderte, gab es nicht – weder in meiner Praktikumszeit noch danach. Der Frauenanteil bei Men’s Health ist mit 50 Prozent höher als in Politik- oder Wirtschaftsredaktionen. Einige Redakteure sind Familienväter; schwärmen beim Mittagessen allenfalls von der Haarfarbe ihrer Jüngsten. Vermutlich ist die ganze Redaktion sportlicher als ich. Aber das liegt nicht an meinem Geschlecht, sondern an meiner Faulheit. Tut mir leid. Es ist alles schrecklich normal.

Wenn ich bis hier erzählt habe, gucken die Zuhörer meist betrübt ob der fehlenden Sensationen. Zögernd fragen sie dann, ob denn wenigstens das Schreiben seltsam sei: "Da musst du dir doch sicher schreckliche Machowitze ausdenken?" Mitunter, ja. Aber das ist nicht schwer: Machowitze reißen, das würde doch sogar eine Blondine noch hinkriegen. "Und wenn in einem Artikel irgendwas mit Sex vorkommen soll?" Dann muss ich immer weinen. Weil ich meinen Eltern so dankbar bin, dass sie mich unverklemmt erzogen haben.

Jetzt schauen manche Leute so enttäuscht, dass ich Mitleid kriege und doch mitspiele. Ich gebe vor, sie die ganze Zeit aus Diskretion angelogen zu haben: "Das bleibt aber absolut unter uns: Als Frau für ’ne Männerzeitschrift zu schreiben, ist in Wahrheit total hart." – "Wie jetzt?"

"Also, ich erzähle das halt nicht gleich jedem, aber… Sie zwingen mich ständig, auf ihre Fettwaage zu steigen. Wenn ich ungeschminkt in der Redaktion auftauche, krieg ich weniger Aufträge. Und der Kondom-Lutschtest neulich…" – "Waaaas?"