Die Chemie. Vielen ist sie zu schwierig, anderen zu langweilig, und doch wird in dieser Disziplin jährlich ein Nobelpreis verliehen. Um zu erfahren, wofür Peter Agre und Roderick MacKinnon die diesjährige Auszeichnung erhalten, geht man die Sache am besten entspannt an. Lassen wir uns von den beiden auf eine virtuelle Reise mitnehmen - in das Venedig des Lebens.

Wir gondeln nicht wirklich über den Canale Grande der Lagunenstadt, sondern über zahlreiche canali piccolissimi mitten hinein in die Wässerchen des menschlichen Körpers. Die beiden Reiserouten haben nämlich gar nicht so wenig miteinander zu tun. Mensch und Venedig ist eines gemeinsam: das Salzwasser.

Und für beide ist der richtige Pegelstand überlebenswichtig.

Der Mensch besteht bekanntlich zu 70 Prozent aus Salzwasser. Doch wie kommt das Wasser in unsere Zellen, und zwar in den richtigen Mengen, sodass wir nicht im eigenen Saft ertrinken? Und wie kommt es wieder heraus, ohne dass wir vertrocknen? "Ganz einfach", sagt der 54-jährige Peter Agre von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, "dafür gibt es eigene Wasserkanäle in den Zellmembranen. Jeder dieser Kanäle besteht aus einem speziellen Eiweiß, einem Membranprotein. Das habe ich 1988 entdeckt und dann seine räumliche Struktur aufgeklärt. Dafür bekomme ich jetzt eine Hälfte des Chemienobelpreises."

So simpel ist das im Venedig des Lebens. Wasser strömt durch eigene Kanäle in die Zellen ein und aus. "Aber nur reines Wasser, sonst nichts anderes", betont Agre. "Heute können wir ein Wassermolekül auf seinem Weg durch die Zellmembran verfolgen und verstehen, warum keine anderen kleinen Moleküle hindurchdringen." Das würde man dem modrigen Venedig zur Revitalisierung auch wünschen: Kanäle, die reinstes Wasser in seine trübe Brühe schleusen.

Aber wie kommen dann die lebenswichtigen Salze richtig dosiert in uns hinein?

"Durch einen anderen Typ von Membrankanälen", sagt der 47-jährige Roderick MacKinnon vom Howard Hughes Medical Institute der New Yorker Rockefeller University. Im Wasser lösen sich die Salze in elektrisch geladene Teilchen auf, in so genannte Ionen, erklärt er. "Mir ist es 1998 gelungen, einen speziellen Ionenkanal in seinen räumlichen Details darzustellen. Dieser Kanal transportiert ausschließlich das Salz Kalium und heißt deshalb Kaliumkanal.