Wenn man Josef Jacobi fragt, was Natur ist, dann sagt er nur ein Wort: "Vielfalt." Dabei denkt der weißbärtige Hüne vom Sauerlandshof aber nicht an Schutzgebiete, sondern an die Kulturlandschaft: "Die entwickelt sich mit der Nutzung." Dinkel und Erbsen, Roggen und Ackerbohnen, Hafer und Triticale und immer mal was Neues wie Hanf oder Mariendisteln anzubauen, statt bloß Mais oder bloß Weizen: "So vielfältig macht es Spaß, Bauer zu sein." Der Landwirt hat außerdem Schweine und Kühe und mit 17 Kollegen eine Biomolkerei, und seine Frau macht Käse, den sie im Hofladen in Körbecke und auf dem Wochenmarkt anbietet.

An der Neubelebung der Vielfalt arbeitet der bedächtige Ostwestfale, inklusive viel Bürokratie am Computer, 60 Stunden die Woche und mehr. Auch politisch, in der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau. Und in der Landschaftsstation im nahen Borgentreich, wo Naturschützer etwa die Bauern animieren, ihre Schweine versuchsweise mal wieder raus in die Landschaft zu stellen: "Die bereiten den Boden für mehr Pflanzenvielfalt."

Unterwegs in Gummistiefeln übers hügelige Land, deutet Jacobi nach rechts und links. "Alles nur Gerste", sagt er dann, oder: "Wo jetzt ein Feld liegt, da waren früher noch sechs! Je größer der Acker, desto größer die Monotonie." Doch nicht die Kollegen kritisiere er, sondern die Subventionslogik der EU und das rein ökonomische Denken: "Wir werden gedrängt, nur noch anzubauen, was möglichst schnell möglichst viel Geld bringt." Fatal seien vor allem die Lebensmittelpreise: "Wenn die laufend sinken, dann muss der Bauer eben doppelt so viele Schweine haben oder mehr Land." Wachsen oder weichen sei nach wie vor der Zwang, trotz aller Kritik und erster Ansätze für eine neue EU-Politik: "So droht der Bauer vom Schöpfer und Erhalter der Kulturlandschaft zu deren Feind zu werden."

Und auch das Dorf hat sich verändert: Vor 15 Jahren gab es hier 70 Bauern, vor einem Jahr noch 50, seither haben wieder fünf aufgegeben. Körbecke ist überall: Allein in den alten Bundesländern ist die Zahl der Hofbetreiber seit 1970 um über 60 Prozent geschrumpft. Bis 2015 könnte sie sich gesamtdeutsch noch einmal halbieren. Dafür hat sich die Größe der Höfe verdreifacht, "und die Agrarindustrie", sagt Jacobi, "kümmert sich nicht um Vielfalt". Ändern kann sich das alles nur, wenn die Kunden bereit sind, für Lebensmittel etwas mehr zu zahlen, meint Josef Jacobi. "Und damit auch für eine andere Landschaft."

Wie sich Land und Dorf verändert haben