Eine ökonomische Analyse der deutschen Großparteien würde zweierlei konstatieren. Einmal verhalten sie sich absolut marktkonform, indem sie in die breite Mitte drängeln, um dort das gleiche Produkt in endloser Variation feilzubieten. Zum Zweiten: Produktdifferenzierung läuft nur innerhalb der Partei ab - siehe Schröders und Merkels Linksabweichler wie Schreiner, Geißler und Blüm, die ihre Zukunft hinter sich haben. Und dann gibt es die CSU, der das Produkt herzlich egal ist, solange es die Schwesterfirma schwächt.

Beispiel CSU I: Wer sagte, dass sozial sei, was Arbeit schaffe? Dass "erst die Freiheit, dann die Gleichheit kommt"? Dass wir uns "vieles nicht mehr leisten können"? Wer legte im März ein "Akutprogramm" vor, in dem es vor Einschnitten und Reformen nur so wimmelte? Das war Edmund Stoiber, aber weiland war der CSU-Chef noch ganzer oder halber Kanzlerkandidat.

Beispiel CSU II: Nun will er es wieder werden, und so richtet er das Rohr auf den eigenen Konzern, wo Mit-Chefin Angela Merkel die Union auf einen mutigen Reformkurs einzuschwören versucht. Auf dem Banner des Edmund Stoiber steht "soziales Gewissen", gar etwas Klassenkampf: "Wir sind strukturell die Mehrheitspartei der kleinen Leute." Noch einen Schritt weiter, und die CSU mitsamt ihrem Stoiber-Edi ist seehoferisiert.

Das Spiel kann er ebenso wenig gewinnen wie die alten Herren von der Harmonia Füllhorn in beiden Parteien. Nicht in einem Land, welches das niedrigste Wachstum in der EU aufweist, die zweithöchste Arbeitslosenquote und ein Haushaltsdefizit, das sogar das amerikanische übertrifft (4,3 vs. 4,2 Prozent des BIP). Möge sich Edi II auf Edi I besinnen - oder auf das zweite Wolfratshausener Frühstück mit Angie verzichten.