Liebe Sauerländerinnen, liebe Sauerländer! In diesen Tagen dürft ihr zu Recht stolz sein auf ein Mitglied eures Stammes. Der große Exfraktionsvorsitzende der CDU, Friedrich Merz aus Brilon, hat der Welt einen Satz geschenkt, der wie Donnerhall durch dampfende Täler und wogende Wälder rollt. "Ab heute hat die Sozialdemokratisierung der CDU ein Ende!" Was für ein Wort. Tief verneigen sich die Tannen von Plettenberg und die Kühe von Meinkenbracht. Doch lieber CDU-Ortsverein Brilon: Kehrt ihr auch vor der eigenen Haustür? Fragt ihr reumütig, womit ihr ganz persönlich der elenden Sozialdemokratisierung Vorschub geleistet habt? Lieber Theo, lieber Reinhard, liebe Babsie: Schaut nicht so verlegen, wir erinnern uns genau. Tatenlos habt ihr die Abschaffung der christlichen Armenspeisung für unsere Brüder und Schwestern hingenommen. Schweigend habt ihr zugesehen, wie die Propsteigemeinde St. Petrus Mädchen zum Ministrantendienst zuließ, obwohl die sozialdemokratische Gleichschaltung der Geschlechter in der Bibel nicht vorgesehen ist. Als Schwester Maria starb und das Waisenhaus seine Pforten schloss, habt ihr die frei laufenden Kinder in die soziale Hängematte gewickelt und ihrem Schicksal entfremdet – Menschen, die von Geburt an im Niedriglohnsektor des Lebens glücklich zu Hause waren, durften den gottgewollten Tatsachen ihres Daseins nicht länger ins Auge blicken. So habt ihr den Sozialstaat gemästet, statt Almosen zu geben. Damit nicht genug. Kein CDU-Mitglied protestierte gegen die Tierfütterung auf dem Kahlen Asten, die unsere Mitgeschöpfe bis heute dem natürlichen Überlebenskampf entwöhnt. In falsch verstandener Nächstenliebe habt ihr katholischen Krankenhäusern erlaubt, Sozialdemokraten unter Narkose zu operieren. Euer CDU-Bürgermeister ließ auf der Via mortale, der schönen B 251, sogar Leitplanken montieren, um zu verhindern, dass Autofahrer den kürzesten Weg zu Gott finden. Hand aufs Herz: Ward das Leben nicht eintönig, als die Stockstrafe verboten wurde, die Schreie verstummten und Kinder zur Fastenzeit mit Haribo statt mit Strohsuppe gefüttert wurden? Als die pittoresken Tagelöhner vom Marktplatz verschwanden und Ochsenkarren nicht mehr von Menschen gezogen wurden? Als Reiche wie Arme gleichberechtigt unter Brücken schlafen durften? Als dem Franz seine Lisbeth mit dem Werner ertappt wurde und niemand sie steinigte? Als die nutzlosen Alten nicht mehr willig in den Wald gingen, um in einer klirrenden Winternacht vor ihren Gott zu treten? Lieber CDU-Ortsverein Brilon: Mach Schluss mit der Sozialdemokratisierung des Schicksals. Kehre um. Noch ist Zeit. Ite missa est! Finis