Markus Schächter: Der Geisteswissenschaftler führt das ZDF seit März 2002. Zuvor wirkte der 54-Jährige als Programmdirektor

Foto [M]: Carmen Sauerbrei/ZDF

Die Zeit: Herr Schächter, wie viel ein Gebührenzahler künftig für ARD und ZDF zahlen soll, ist umstritten wie nie zuvor. Die Kritik zeigt die sinkende gesellschaftliche Akzeptanz von ARD und ZDF. Was rechtfertigt überhaupt noch eine zwangsweise erhobene Gebühr?

Markus Schächter: Unsere Legitimation entspringt nur aus der Leistung, die wir für diese Gesellschaft erbringen. Wir liefern für vier Euro im Monat ein innovatives und mehrheitsfähiges Programm, das sein Geld wert ist. Wir sind der Sender, der am meisten über die Gesellschaft, Politik und Kultur informiert. Jede zweite Sendeminute ist ein Informationsangebot an die Gesellschaft und ein Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung.

Zeit: Aber das ZDF hat spürbar an Bedeutung verloren. Der Zuschaueranteil sinkt (siehe Grafik), und große gesellschaftliche Gruppen erreichen Sie gar nicht mehr.

Schächter: Einspruch. Wir hatten in 2002 das beste Ergebnis seit fünf Jahren. Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen sehen das heute-journal, "Wetten, dass…?" und den Sport. Aber richtig ist, dass wir alles tun müssen, um nicht nur für die Mitte, sondern auch für andere Gruppen der Gesellschaft ein Programm zu machen. Auch hier gilt – Legitimation durch Leistung.

Zeit: Also Nachrichten und Sport…

Schächter: …und fiktionale Einzelproduktionen wie etwa der Montagsfilm. Diese Woche war es Rette deine Haut!

Zeit: Es bleibt dabei, dass im Alltag nur Nachrichten und Sport die gesamte Bevölkerung erreichen. Weil das übrige Programm nicht als Begründung für eine zwangsweise erhobene Gebühr dienen kann, räumen Sie dem Sport ja auch so viel Bedeutung ein. Das zeigt sich an den geplanten Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2006 und im wöchentlichen Programm. Nehmen Sie nur den vergangenen Samstag, an dem Sie mehr als sieben Stunden Fußball gezeigt haben…