"Gestern war ich auf einem Begräbnis. Alle Frauen hatten Angst. Sie hatten Angst, das Haus zu verlassen – auch wenn sie nur zu einem Begräbnis gehen."

Interview mit der Mutter eines vergewaltigten Mädchens, aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Wrights Watch

"Vor allem Frauen in Irak und Afghanistan haben von der Politik meines Mannes profitiert."

Laura Bush

Bagdad

1965 bis 1990, das waren die besten Jahre. Sie waren nicht leicht, aber doch, es war die beste Zeit. Im Rückblick jedenfalls. Danach nämlich kam alles schlimmer. 1991 überfielen Saddam Husseins Soldaten Kuwait. Die USA zerstörten die Invasionsarmee mit der Operation Desert Storm. Es folgten die Sanktionen der Vereinten Nationen, der Mangel, die Armut, der Status als internationaler Paria. 2003 dann der Krieg, der den Diktator endlich stürzte. Eine schwere Zeit war das gewesen, harte, bittere zwölf Jahre. Das sagt Sohan Abdallah Mahmud, Direktorin einer Grundschule in der Bagdader Sadr City. Sie bemüht sich um Zufriedenheit, mit ihren Worten und der Haltung ihres Körper, der groß ist und allen Schülern mütterliche Ruhe vermittelt, gepaart mit väterlicher Strenge. "Ich bekomme heute meinen Lohn pünktlich. Und es ist viel mehr, als ich von Saddam Hussein bekommen habe." Auch ihr Mann, ebenfalls Schuldirektor, erhält sein Gehalt regelmäßig am Monatsende. Die vier gemeinsamen Kinder sind fast erwachsen. Das Haus ist schon gebaut, das haben sie irgendwann in den guten Jahren gemacht – zwischen 1965 und 1990. Alles ist also in Ordnung, soweit etwas im Irak in Ordnung sein kann.