Die Amis sind crazy. Da sollen ein paar winzige Kanincheneulen (Athene cunicularia floridana) vor den Planierraupen eines Pfannkuchenimperiums gerettet werden. Und der amerikanische Autor Carl Hiaasen baut daraus in seinem neuen Roman Eulen eine wahnwitzige Story, in der das gefurzte Imitat einer Schulzeremonie genauso Platz hat wie ein verborgener Ort in den Mangrovensümpfen Floridas.

Man stelle sich vor, hierzulande würde beim Bau einer Autobahn eine Feldhamsterkolonie inmitten der schönsten Trassenplanung die heißesten Diskussionen zwischen Wirtschaftslobby und Naturschutzverbänden entfachen. Irgendwann käme vielleicht ein Autor auf die Idee, drum herum einen Kinderkrimi zu schreiben. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass daraus entweder eine Hymne an die Zivilcourage oder ein TKKG-Abenteuer entstünde. Bei amerikanischen Autoren sind geradlinig gestrickte Handlungsmuster eher die Ausnahme, dank Jerry Spinelli, Louis Sachar, Kate Di Camillo und nun auch Carl Hiaasen. Durch seine Eulen- Geschichte zieht sich zwar ein ernstes und ethisches Grundmotiv, sonst aber wird gesponnen, als ließe sich die Wirklichkeit jederzeit neu erfinden.

Schauplatz des Geschehens: ein Baugrund am Rande von Coconut Cove, einem Kaff in Florida. Dort will die Restaurantkette Mama Paulas Pfannkuchenhaus (Spezialität: Hafermehlpfannkuchen mit Süßholzaroma) ihre 469. Filiale errichten, ohne Rücksicht auf die dort siedelnden Kanincheneulen. In die außergewöhnlichen Ereignisse im Umfeld des Bauplatzes gerät der zwölfjährige Roy, der die Trace Middle School besucht. Roys Gedanken kreisen zwar noch um die liebliche Bergwelt Montanas, aus der er gerade mit seinen Eltern ins grauenhaft flache Florida gezogen ist, doch durch einen geheimnisvollen Jungen und dessen Schwester entdeckt er langsam, aber sicher seine neue Umgebung. Dazu stößt ein Outlaw – genannt Fischfinger –, der mit allen Mitteln der Fantasie gegen die Pläne des Pfannkuchenimperiums kämpft: Quelle der Inspiration für jeden Greenpeace-Aktivisten. Da schwimmen schon mal Babyalligatoren im Becken der Mobiltoilette, oder die ohnehin schon schwachen Nerven des Wachmanns werden durch niedliche kleine Giftschlangen mit bunten Schwänzen und zugeklebten Mäulern strapaziert.

Eine moralische Geschichte, erzählt ohne Aufdringlichkeit und mit großer Freude am Fabulieren (die Birgitt Kollmann in der Übersetzung zu bewahren versteht). Zwar ziehen sich manche Szenen etwas in die Länge, aber die Menge skurriler Einfälle lässt dies vergessen. Die Interessengemeinschaft verfolgter Feldhamster dürfte das Buch in jedem Fall zur Pflichtlektüre erheben. This land is your land, folks! 

π Carl Hiaasen: Eulen Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann; Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2003; 360 S., 14,90 ¤ (ab 12 Jahren)