Erst neulich hat er es wieder gesagt. Gerhard Schröder sprach vor Journalisten, er sprach über Deutschland, und er sagte, was er schon im letzten Herbst gesagt hatte und im vorletzten ebenfalls. Dass der Aufschwung nun sicher komme werde. Nächstes Jahr.

Wenn der Kanzler vom Aufschwung redet, ist das, wie wenn Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher vom Benzin spricht. Beides ist Mittel zum Zweck, der Treibstoff, der den Laden zum Laufen bringt. "Ohne Wirtschaftswachstum kommt Deutschland nie aus den Problemen heraus", sagt der Wuppertaler Ökonom Paul Welfens. Ohne Wachstum steigt die Arbeitslosigkeit, sinken die Steuereinnahmen, fehlt Geld in der Rentenkasse. Trotz Hartz, Rürup und Herzog – ohne Aufschwung sind alle Reformen nur Reparaturen an einem stehenden Motor.

Doch während Schröder sich müht, seine Reformen gegen allen Widerstand durchzusetzen, deutet viel darauf hin, dass der Aufschwung weiter auf sich warten lässt.

Zwar sind einige Stimmungsindikatoren gestiegen, zwar verzeichnen die Unternehmen neue Aufträge, zwar haben die Exporte zuletzt stark zugenommen, und es spricht einiges dafür, dass es tatsächlich ein wenig aufwärts geht. "Aber einen kräftigen Aufschwung wird es nicht geben", prophezeit Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank.

Was Deutschland seit bald drei Jahren erlebt, ist eine Krise, die anders ist als alle Wirtschaftskrisen nach 1945. Es ist die erste Krise des modernen Kapitalismus. Eine Krise, die von massiv schwankenden Aktien- und Devisenkursen geprägt ist und von einem Arbeitsmarkt, der auch in Deutschland trotz aller Paragrafen heute flexibler ist als früher. Eine Krise, die damit begann, dass an den Börsen eine Blase platzte, wie sie sich seit den dreißiger Jahren nicht mehr gebildet hatte.

Die fatale Folge: "Die klassischen Konjunkturmuster gelten nicht mehr", sagt Jörg Krämer von der Investmentgesellschaft Invesco Asset Management. Anders als früher folgt dem Absturz nicht mehr automatisch ein kräftiger Aufstieg. Im neuen Umfeld offenbaren Unternehmer und Manager ein Verhalten, das die deutsche Wirtschaft auf Dauer bremst: Sie bauen weniger Fabriken, kaufen weniger Maschinen, gründen weniger Filialen, kurz, sie investieren weniger, als sie es früher in vergleichbaren Situationen getan hätten.

Die Investitionen tragen traditionell nur rund zehn Prozent zum deutschen Volkseinkommen bei. Trotzdem sind sie von entscheidender Bedeutung. Denn während sich etwa die weit umfangreicheren Ausgaben des Staates über die Jahre relativ wenig verändern, schwanken die Investitionen sehr stark. Wenn eine Volkswirtschaft wächst oder schrumpft, liegt das also größtenteils daran, dass die Unternehmen ihre Ausgaben kräftig erhöhen oder urplötzlich senken. Nach einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley hängen die Investitionsentscheidungen erfahrungsgemäß vor allem von zwei Faktoren ab: den Zinsen und der Nachfrage.