München leuchtet wieder. Auf der 48.Kunst-Messe in der bayerischen Hauptstadt stimmen Qualität, Präsentation und Kauflust, als hätten Sammler und Händler das Krisengerede satt und wollten sich endlich wieder nur an schönen Dingen erfreuen. Bei Moeller und Rotermund aus Hamburg war die Stimmung blendend, nachdem sich am Eröffnungsabend ein Münchner Sammler für das vorab im Katalog abgedruckte Aquarell Heimkehrende Bacchanten von Lovis Corinth aus dem Jahr 1894 entschieden hatte und weitere Verkäufe ein Neuarrangement des Standes notwendig machten. Thole Rotermund: "Endlich bewegt sich wieder was."

110 vornehmlich deutsche Kunsthändler zeigen noch bis zum 19. Oktober ein weit gefächertes Angebot von A wie Antiken bis Z wie zeitgenössische Kunst. Dank teils musealer Qualität der Objekte und Messerückkehrern wie Böhler, Blumka, Rudigier und dem international wichtigen Schweizer Antiquar Heribert Tenschert kann die Kunst-Messe München nach bescheideneren Vorjahren nun zu Recht wieder den Anspruch erheben, die führende deutsche Antiquitäten- und Kunstmesse zu sein. Ein gut ausgewiesener Rundgang in der entspannten Atmosphäre der Neuen Messe München in Riem führt den Besucher zu allen Ständen. Als zusätzliche Attraktion ist aus dem Museum Leopold in Wien die Egon-Schiele-Sonderschau Der Akt ausgeliehen. Eine Besonderheit ist die Messe auch wegen ihrer Geschäftsform als GmbH, die mit 40 Kommanditisten ihr eigenes Risiko trägt und bei der Messegesellschaft nur Mieter und damit frei in ihren Entscheidungen ist.

Attraktiv ist die Messe für Aussteller wie für Sammler gleichermaßen. Aus Maastricht ist die Galerie Blue Elephant mit einem hoch qualitativen Angebot an orientalischer Kunst angereist. Marie Amkreutz: "Hier gibt es außerordentlich viele gut informierte Sammler, die sich für die abstrakte Kunst beispielsweise der Khmer interessieren." Dass man sich aber auch ganz anders auf Werke der Antike einlassen kann, erzählt Jean-David Cahn aus Basel: "Ohne den Ballast humanistischer Bildung nähern sich vor allem jüngere Menschen den Objekten über ihre Ästhetik." Ein Liebhaber zeitgenössischer Kunst kaufte spontan ein hellenistisches vorchristliches Grabrelief aus Marmor.

Kein solcher Coup de Foudre, sondern umfangreiche Überlegungen könnten einem silbernen, teilweise vergoldeten und mit Bergkristall gefertigten Tafelaufsatz in Form eines Segelschiffs einen angemessenen Platz sichern: im Münchner Stadtmuseum, das bereits das Segel des verschollen geglaubten Rumpfes besitzt. Der Freundeskreis des Museums hat bereits den Willen angemeldet, den Prachtsegler im Stil des Münchner Historismus zu erwerben, und eine Sondersitzung anberaumt.

Richter, Polke und Warhol liefen gut bei der Münchner Galerie Terminus. Ein 40 mal 60 Zentimeter großes Ölbild von Gerhard Richter von 1980 war am ersten Abend ebenso verkauft wie vier Beethoven-Porträts von Andy Warhol; eine Malerei auf buntem Küchentuch von Sigmar Polke ist reserviert.

Die 15 Aussteller von Arbeiten auf Papier wurden von der Kauffreudigkeit der Sammler regelrecht überrumpelt. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein ist an vielen Ständen zu finden, dank einer gräflichen Sammlungsauflösung vor gut einem halben Jahr. Vor allem die drolligen, psychologisierenden Tierporträts von Wieseln, Mardern, Maulwürfen und Windhunden haben es Sammlern angetan. Bei Katrin Bellinger entzückten in Italien im Freien entstandene Öl-auf-Papier-Skizzen deutscher Maler des 19. Jahrhunderts. Das Düsseldorfer Unternehmen C. G. Boerner konnte jüngst eine umfangreiche belgische Privatsammlung mit Blättern des Flamen James Ensor erwerben, darunter die Schlittschuhszene Le Patineurs (33000 Euro). Bei Klauspeter Westenhoff, Hamburg, wird Alexej Jawelenskys Tanz im Freien von 1901, eine Szene aus dem Englischen Garten, für 720000 Euro neben Arbeiten von Max Liebermann und Ernst Ludwig Kirchner angeboten.

Antike Möbel werden teilweise ungewöhnlich nüchtern ausgestellt, andernorts aber aufwändig inszeniert. Georg Britsch junior, spezialisiert auf Biedermeiermöbel, glaubt an nachwachsendes Interesse bei einer jüngeren Generation vor allem wegen der Kombinationsmöglichkeiten von Altem und Neuem. Wie gut das aussehen kann, vermittelt das Standmobiliar von Le Corbusier bis Philippe Starck.