Auch Künstler verneigen sich vor den Bergen, diesen majestätischen Skulpturen der Schöpfung: Ernst Ludwig Kirchner, den wir als großartigen Maler Berliner Straßenszenen kennen – herausgeputzte Frauen mit Federboas und auf Stöckelschuhen, zog es im Kriegsjahr 1917 zu einem Erholungsaufenthalt in die Alpen nach Davos. Die Berge wurden gewissermaßen Teil seiner Biografie. Er blieb bis zu seinem Tod 1938. Und immer wieder tauchte er die schweizerischen Riesen, die er in Graubünden sah, in leuchtende Farben, scheute sich nicht, die grauen Gipfel durch ein kräftiges Rosaviolett oder grelles Grünblau aufzupeppen. Mitunter kommen sogar Menschen vor, eher chiffrenhaft und winzig klein angesichts der imposanten Bergwelt. Die Davos-Bilder, die jetzt in der Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner – Bergleben zu sehen sind (insgesamt 130 Werke, darunter auch Skulpturen, Fotografien und Wandteppiche), überraschen. So auch die "Rückkehr der Tiere", entstanden 1919 (unser Bild). Im Unterschied zu seinen Berlin-Arbeiten, für die nervöse Pinselstriche und perspektivische Zuspitzungen ganz typisch sind, wirkt der große Expressionist in dieser Auswahl malerischer, als man ihn zu kennen glaubt. A.M.

Bis 4. Januar 04. Öffentliche Kunstsammlung Basel, St.-Alban-Graben 16, Di und Do–So 10–17 Uhr, Mi 10–19 Uhr, Eintritt: 14 Franken (etwa 9 Euro), Katalog: Verlag Hatje Cantz, 49,80 Euro. Auskunft: Tel. 0041-61/2066206, www.kunstmuseumbasel.ch