Bei der englischen Landwirtschaftsversicherung NFU Mutual können die Bauern zwischen Cornwall und Northumberland seit fast hundert Jahren ihre Pferde und Strohdächer versichern oder um Policen gegen die Maul- und Klauenseuche bitten. Doch als die Farmer sich jetzt für eine Versicherung für genetisch veränderte Feldfrüchte – im englischen Kürzel "GMO crops", für genetically manipulated organisms – interessierten, winkte das Traditionsunternehmen ab. Man versichere weder denjenigen, der GMO anbauen wolle, noch jenen, der sich gegen seinen GMO-begeisterten Nachbarn und dessen Saat schützen wolle. Unversehens rutscht auf der Insel der Bio-Tech-Landbau in dieselbe Versicherungskategorie wie Terror oder technisches Großrisiko. GMO klingt fast wie GAU.

Schwenken jetzt auch die Briten in die breite Front der Gen-Skeptiker Europas ein? Die reicht inzwischen von Italien bis Schweden, von Österreich bis Irland. Nur Spanien, wo auf 25000 Hektar kommerziell angebauter Gen-Mais sprießt, bildet eine Ausnahme. Und lange Zeit galten gerade die Briten – durch europäische Umfragen mehrfach belegt – als vergleichsweise aufgeschlossen gegenüber allem Neuen aus Wissenschaft und Technik. Sorry, aber das war einmal.

"Alles unverkäuflich"

An diesem Freitag wird die ehrwürdige Zeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society in London die Auswertung von dreijährigen Feldversuchen mit Mais, Raps und Zuckerrüben präsentieren, die, gentechnisch verändert, einem Unkrautvernichtungsmittel widerstehen sollten. Die Ergebnisse sind desaströs für die gentechnophile Labour-Regierung von Tony Blair: Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass zwei der drei Pflanzen besser nicht angebaut werden sollten.

Die eingesetzten Herbizide sollten – ökologisch wie ökonomisch interessant – schon in geringer Dosierung und mit wenig Kollateralschäden die Felder von Unkraut freihalten. Doch ein Monsanto-Produkt richtete offenbar rund um die Rüben ebenso große Flurschäden an wie ein Bayer-Produkt auf den Raps-Testäckern. Mit dem Unkraut machten sich die Insekten rar. Vorteile? Fehlanzeige.

Der Blair-Regierung verhagelt das überraschende Ergebnis die biopolitische Ernte. Das Government wollte möglichst viele vom Nutzen der Agrartechnologie überzeugen. Nun gibt es gleich mehrere Rückschläge: Schon im Sommer hatte eine breit angelegte Debatte mit "dem Bürger" – unter das fragend optimistische Motto "GM Nation?" gestellt – alle verblüfft: Die Nation, jedenfalls jene 37000 Briten, die sich sechs Wochen lang auf über 600 Veranstaltungen oder über www.gmnation.co.uk zu Worte meldeten, begegnen der grünen Gentechnik mit Zweifel und Ablehnung. Die Leute wüssten zu wenig und glaubten ihrer Regierung noch weniger, lautete eine der Lehren der Veranstaltung. Was half es noch, dass die Kritiker der Aktion, wie das Agricultural Biotechnology Council, ein Verein führender Bio-Tech-Firmen, zu Recht darauf hinwiesen, dass ein Gutteil der Antworten von Umweltschützern "orchestriert" worden sei?

Damit nicht genug, berichtet der Guardian jetzt von einer ökonomischen Studie aus Blairs nächster Umgebung: Das Cabinet Office warnt, im Vereinigten Königreich fehle der Markt für den Anbau von GMO. Die Verbraucher sähen keinen Vorteil für sich selbst, die Bauern wären vielleicht interessiert, schreckten aber zurück, weil die großen Lebensmittelketten von vornherein abwinkten: "Alles unverkäuflich."

Ist also ausgerechnet auf der Insel der ehemals bio-tech-begeisterten Musterbriten der Anfang vom Ende der grünen Gentechnik in Europa zu besichtigen?