Maria Welzig, Gerhard Steixner (Hrsg.): Die Architektur und ich - Eine Bilanz der österreichischen Architektur seit 1945, vermittelt durch ihre Protagonisten - Böhlau, Köln 2003 - 203 S., 29,90 e

Die neun Namen, die den Titel diagonal zieren, zieren ja auch das Land. Sie alle - die Österreicher Rainer, Hiesmayr, Hufnagl, Seidler, Glück, Peichl, Achleitner, Uhl, Domenig - sind (bis auf den ersten) in der Ersten Republik geboren worden und haben die Architektur der Zweiten geprägt. Verlockend also, sie in sehr ausführlichen, mitunter kritischen Gesprächen auszufragen: über Herkunft, Berufswahl, Studium und Professoren, über ihre Erfolge und ihr Scheitern, über ihre (und ihrer Kollegen) Bauwerke. Das geht mal weise, mal nüchtern, meist temperamentvoll, herzhaft, selbstbewusst und selbstkritisch vonstatten. Man erfährt eine Menge, manches macht einen nachdenklich, öffnet den Blick, erregt Staunen, auch Mitgefühl. Alles dies vollzieht sich auf überraschend unterhaltsame Weise.

Wolfgang Schäche/Norbert Szymanski: Die Lennéstraße im Tiergartenviertel.

Geschichte und Perspektive einer Berliner Adresse - jovis, Berlin 2003 - 120 S., 19,80 e

Nordwestlich vom Potsdamer Platz liegt das Lenné-Dreieck, gebildet von Bellevue-, Ebert- und, am nördlichen Rand, von der Lennéstraße. Erst hat es der Bombenkrieg, dann der Mauerbau ausgelöscht: keine Spur mehr von dieser beneidenswerten Adresse, die es weit über 100 Jahre lang war. In der Lennéstraße bauten Architekten wie Persius, Stüler, Hitzig und Rabe, hier wohnten berühmte Maler und die Brüder Grimm, später siedelten sich Botschaften, Industrielle, Kaufleute an, man sprach vom "Geheimratsviertel", ehe Modesalons, Kunst- und Antiquitätenläden ihren Charakter änderten und 1932 an der Südostecke Erich Mendelssohns berühmtes Columbus-Haus zur Pointe wurde. Dieses Buch erzählt die Geschichte der fast vergessenen Berliner Adresse, es lässt die alten Gebäude Revue passieren, zeigt auch die neuen, die sie jetzt höher als je säumen - und malt abwechslungsreich das Porträt der Straße, der "des Königs Majestät" 1839 den Namen des Landschaftskünstlers Lenné gab, "allergnädigst".