Seine Erfindung bezahlte er mit dem Leben

Seine Vorfahren hatten als Goldschmiede oder im Münzamt gearbeitet. Der Vater war früh gestorben und die Mutter mit vier kleinen Kindern musste sich nach einem neuen Mann umsehen. Die Stadt hatte im Dreißigjährigen Krieg sehr gelitten, und es herrschte große Armut.

Die junge Mutter traf auf einen Witwer, der selbst Kinder hatte und der ihren intelligenten Sohn förderte. Mit acht Jahren konnte der Junge lesen und schreiben, außerdem lernte er Latein, Geometrie und Mathematik, doch am meisten interessierte er sich für Chemie.

Als 14-Jähriger kam er zu einem bekannten Apotheker in die Lehre. Dort studierte er mit wahrer Leidenschaft, sodass er von den anderen Lehrlingen verspottet wurde. Er lernte einen Chemiker kennen, der glaubte, Gold herstellen zu können. Der Chemiker lud den Jungen auf sein Landgut ein, wo er experimentieren konnte. Die Werke seines Mentors über die Glasmacherkunst, Emaille und Keramik hatte er genau untersucht. Seine Chemiekenntnisse wuchsen, bis er auf einen geheimnisvollen griechischen Mönch traf, der behauptete, das Aarkanum zu kennen: den Stein der Weisen.

Nach fünfjähriger Lehrzeit wurde er Geselle und konnte selbstständig arbeiten. Er überzeugte seine Freunde und sogar seinen Lehrmeister bei geheimen Vorführungen davon, dass er Gold machen könne. Den Trick, den er dabei anwandte, behielt er für sich. Er glaubte wirklich, nah am Ziel zu sein. Sein Meister warnte ihn jedoch vor den Folgen. Seine Freunde, die er gebeten hatte, nichts von seinen Experimenten zu erzählen, konnten die Neuigkeiten nicht für sich behalten.

So kam es, dass der frisch gekürte König von Preußen von der Neuigkeit erfuhr und den Alchimisten zu sehen wünschte. Aber der junge Mann ahnte, was ihm bevorstand, und floh. Trotz der vom König ausgesandten Suchtruppen entkam er nach Sachsen, wo ihm abermals von dem hellhörig gewordenen Kurfürsten nachgestellt wurde. Auch dieser verband große Hoffnungen mit dem Traum, einen Goldesel zu besitzen. Seinen Soldaten gelang es, den Flüchtenden einzufangen, so wurde er ins Gewahrsam nach Dresden gebracht.

Der sächsische Kurfürst brauchte dringend Geld, denn er wollte es mit seinen neuen Bauten Ludwig XIV. gleichtun. Darum hatte er auch einen Chemiker angestellt, der die Formel für Porzellan herausfinden sollte, da nur die Chinesen in der Herstellung bewandert waren und durch den Export dieser Kunstwerke Unsummen verdienten. Der bedauernswerte junge Mann wurde in eine Festung gesperrt und streng bewacht, um seine Experimente durchzuführen. Die Umstände machten ihn krank und depressiv. Er wurde mehrmals verlegt und hatte jahrelang nichts zu tun, was ihn fast in den Wahnsinn trieb.

Inzwischen hatte der Kurfürst, der König geworden war, angeordnet, dass der Häftling auch Porzellan herstellen sollte. Dazu brauchte er Brennöfen, die große Hitze aushalten konnten. Seine Kenntnisse der Glasbläserkunst halfen ihm bei der Entdeckung der neuen Formel.

Seine Erfindung bezahlte er mit dem Leben

Er und seine schwer arbeitenden Gehilfen lebten in kaum gelüfteten Kellerräumen, deren Fußböden so heiß wurden, dass sie sich die Füße verbrannten. All das ließ sich besser ertragen mit der nötigen Menge Wein.

Als er die richtige Tonerde gefunden hatte, konnte er das erste Kännchen aus Porzellan herstellen, das von weißer, dünner Beschaffenheit war. Es wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse die große Attraktion.

Die Produktion brachte noch viele Probleme. Der Erfinder starb als schwerkranker Mann mit 38 Jahren.

Wer war's?

AUFLÖSUNG AUS NR. 42:

Es war: Der englische Dichter, Maler und Kupferstecher William Blake (1757 bis 1827). Die Verschmelzung von Text und Illustration zu einer dekorativen Einheit sowie die schwungvolle Linienführung waren von Bedeutung für den Jugendstil. - Hinzuweisen ist auf Peter Ackroyd William Blake: Dichter, Maler und Visionär, Knaus Verlag 2001