Im Weinbau geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Das wissen wir seit Erfindung des deutschen Weinbaugesetzes. Es wurde gleich mehrmals erfunden, und schon die erste Fassung war eine Mischung aus Strafgesetzbuch und dem Festprogramm einer Karnevalsgesellschaft. Also zogen die Winzer sich Narrenkappen über, sangen ein lustiges Lied und standen mit einem Bein im Gefängnis. Daran, liebe Freunde des vergorenen Traubensafts, hat sich wenig geändert.

Deshalb hat sich auch am schlechten Ruf des deutschen Weins nicht viel geändert. An seiner Qualität sehr wohl: Er ist trotz der verschiedenen Gesetze zurzeit auf der Höhe seiner Kraft.

Die Weingesetze, so viel steht fest, haben keine Weintrinker formuliert, sondern bestenfalls Lobbyisten für massenproduzierende Weingüter, überwiegend aber wohl Beamte ohne großen Weinverstand. Unsere Weinwirtschaft bezahlt dafür einen hohen Preis: die Missachtung unserer Rieslinge und der anderen deutschen Weißweine auf dem internationalen Markt.

Kein Gastronom außerhalb der deutschen Grenzen hat eine wesentliche Auswahl deutscher Weine zu bieten, die überwiegende Mehrheit kann nicht eine einzige Flasche vorweisen. Weil sie und ihre Gäste deutschen Wein nicht kennen und nicht kennen lernen wollen.

Das liegt an unserem Weingesetz, das den Winzern zu allen Zeiten die Möglichkeit gegeben hat, mit mittelmäßigen Weinen am Markt zu existieren. Es gibt keine eindeutige Kennzeichnung für Weine der hochwertigen Oberklasse, weder wurden Ertragsbeschränkungen durchgesetzt, noch hat es je Klarheit über die Herkunft der verschiedenen Weine gegeben. Dass unsere Weine nicht immer Massenprodukte sein müssen und dass sie in leicht verständliche Qualitätsstufen eingeteilt werden können, ist den Konsumenten nicht vermittelt worden. Dazu waren und sind die Gesetze einfach zu verwirrend.

Dass sich aber nicht mehr Widerstand gegen den Gesetzgeber regt, liegt daran, dass es zu viele Weinproduzenten gibt, die von den undeutlichen Gesetzen profitieren. Da sind vor allem die Genossenschaften und die Großwinzer, die durch die EU-Agrarpolitik ganz gut verdienen. Nicht weil sie angeregt werden, erste Qualitäten zu liefern, sondern weil die Produktion von billigen Massenweinen belohnt wird. Also die übliche Subventionsmisere wie bei Mais, Roggen, Oliven und Gummiadlern.

Glücklicherweise gibt es Domänen, die so tun, als gäbe es diese Gesetzeslage nicht. Sie ignorieren qualitätshemmende Vorschriften und nutzen den dubiosen Spielraum, der ihnen per Gesetz zur Verfügung steht, nicht aus. So verkaufen sie schon mal einen schwachbrüstigen Wein als Kabinett, wenn er nach den Buchstaben des Gesetzes durchaus Anrecht auf das Prädikat Spätlese hätte. Sie verwenden weniger Schwefel und ernten weniger Trauben als erlaubt. Sie verzichten auf fragwürdige Praktiken, weil sie einen Berufsstolz haben.