Thailand ist sicher. Wir haben alles unter Kontrolle", sagt Thaksin Shinawatra. Der Premierminister des Landes mühte sich, alle Zweifel zu zerstreuen, als er Anfang Oktober zum ersten Mal seit zwei Jahren vor die ausländische Presse trat.

Dass die Polizei im Sommer vier mutmaßliche islamische Extremisten in Bangkok festgenommen hat, dass eine Studie Bangkoks internationalen Flughafen als den unsichersten der Welt identifiziert hat – daran will Thaksin nicht denken. Der Apec-Gipfel (Asia Pacific Economic Cooperation) steht bevor, am 20. und 21. Oktober kommen die Regierungschefs von 21 Ländern in Bangkok zusammen, um über die wirtschaftliche Entwicklung der Region und den Handel in Südostasien zu sprechen. Neben George W. Bush und Wladimir Putin werden Scharen von Diplomaten und Geschäftsleuten erwartet.

Premier Thaksin möchte seine Hauptstadt im besten Licht erscheinen lassen. Schon vor Wochen hat der Mann, der in den USA studiert hat und promovierter Kriminologe ist, Bangkok in seinem Sinne aufgeräumt. Bettler hat er aus der Stadt vertreiben, herrenlose Hunde wegschaffen lassen. Den fliegenden Händlern, die auf Straßenkreuzungen sonst zu Hunderten Sträuße und Blumenketten verkaufen, hat er ihren Broterwerb bis nach dem Apec-Gipfel verboten. Der Anblick der ärmlichen Geschäftsleute ziere das Stadtbild nicht, heißt es.

Außerdem hat Thaksin kurzerhand sämtliche Demonstrationen in Bangkok verboten. Es würde schließlich niemandem wehtun, wenn er eine Woche lang an sein Land und dessen Image denke und auf Proteste verzichte, sagt er. Um seinen Wunsch zu untermauern, hat er 4000 Fahrer der allgegenwärtigen Mopedtaxis zu Hilfspolizisten ausgebildet, damit sie auffällige Personen beobachten. Und an der Grenze liegen die Namen unwillkommener ausländischer Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen bereit, damit ihnen die Einreise verweigert wird. Dass Thaksins Regierung die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen unterzeichnet hat – und damit das Recht auf Demonstrationen –, interessiert den Premier nicht.

Seit Wochen schon läuft die Opposition Sturm gegen die Pläne des Premiers, dessen Partei den Namen "Thailänder lieben Thailänder" (Thai Rak Thai) trägt. "Er benutzt harsche Worte, strahlt Aggression aus und droht unseren Bürgern", sagt Veera Somkwamkid, Präsident der Antikorruptionsorganisation People’s Network against Corruption. "Er spricht davon, dass ein paar Demonstranten unserem Ruf schaden könnten. Dabei schadet er uns mit seinem Verhalten am meisten." Thaksins langjähriger Kritiker, Thirayuth Boonmi von der Thammasat-Universität in Bangkok, spricht aus, was viele denken. "Seine Politik führt eher zu einem totalitären Staat als zu sozialer Gerechtigkeit. Wenn Thaksin so weitermacht, wird er der größte Feind einer modernen Demokratie", sagt er.

Tag für Tag greifen Opposition, Intellektuelle und Vertreter von Minderheiten den Premier an, nicht erst seit der Apec-Euphorie. Der Grund, warum die Kritik an seiner Politik allerdings nicht lauter wird, ist der anhaltende wirtschaftliche Erfolg seines Landes. Seit der Politiker Anfang 2001 das Amt des Regierungschefs übernommen hat, geht es mit der Volkswirtschaft bergauf. Die Asien-Krise, die Ende der neunziger Jahre das Bruttoinlandsprodukt schrumpfen und die Schulden wachsen ließ, ist längst vergessen.

Für 2003 rechnet Thaksins Finanzminister mit einem Plus von mindestens sechs Prozent. Sogar der zurückhaltende Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für 2003 kürzlich auf fünf Prozent nach oben revidiert, den negativen Auswirkungen des Irak-Krieges und der Sars-Epidemie zum Trotz. Vorige Woche hat die Ratingagentur Standard & Poor mit einer verbesserten Bewertung nachgezogen. Thailand steht mit seinem Wachstum an der Spitze in Asien, nur die Volksrepublik China soll mit knapp sieben Prozent noch stärker zulegen. Malaysia, Singapur und Hongkong – Thailands traditionelle Konkurrenten – bleiben weit dahinter zurück.

Fleiß und Unternehmergeist blühen im Land. Nur zwei von hundert Thailändern sind ohne Anstellung, fast jeder Fünfte ernährt sich mit einer Garküche oder einem kleinen Geschäft als sein eigener Chef. In Deutschland liegt die Quote der Selbstständigen bei fünf, in den USA bei knapp elf Prozent.