Warum sind die Deutschen immer so unzufrieden?

Wenn es wirtschaftlich bergauf geht, jubeln die Deutschen nicht. Und wenn es mal nicht so gut läuft, jammern sie wirklich mehr als andere. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch am Wetter liegt. Bei Sonne betrachtet, sieht die Welt einfach ganz anders aus. Schwere Gedanken – die Erwachsenen sagen "Melancholie" dazu – haben allerdings auch Dichter, Maler und Musiker inspiriert. Johann Sebastian Bach zum Beispiel hat seine Cellosuiten garantiert bei Regen komponiert. Wer sie bei Regen hört, fühlt sich so richtig verstanden. Bei Sommersonnenschein mag ich sie nicht hören, so wie es unmöglich gewesen wäre, sie dann zu komponieren. Und Unzufriedenheit hat noch eine gute Seite: Dass man sich eher Gedanken macht, wie es besser gehen könnte. Das kann dann zu verbesserten Produkten führen, zu mehr Erfolg auf dem Weltmarkt und damit wieder zu mehr Zufriedenheit. Nur funktioniert das zurzeit irgendwie nicht bei den Deutschen, womit wir wirklich Grund haben, unzufrieden zu sein.

Warum gibt es in Deutschland so wenig Kinder?

Wenn Paare sehen, dass eine Familie mit vier oder gar fünf Kindern schon fast an der Armutsgrenze lebt und von den Nachbarn komisch angesehen wird und dass Paare ohne Kinder verreisen können, wann sie wollen, und sich mit ihrem Einkommen mehr Wünsche erfüllen können, entscheiden sie sich dagegen, Kinder zu bekommen, oder belassen es bei einem, höchstens zwei Kindern. Dabei hilft ihnen natürlich auch die Empfängnisverhütung. Eine mögliche Lösung wäre, mehr Menschen ins Land zu lassen, die hier arbeiten und Kinder kriegen wollen. Das kann aber nur gut gelingen, wenn diese Menschen überzeugt sind, dass es ihren Kindern in Deutschland besser gehen wird als anderswo.

Warum gibt es so viele Arbeitslose, obwohl es doch so viel zu tun gibt?

Das liegt daran: Ein Fabrikant schafft eine Maschine an, die die Arbeit von drei Menschen macht, ohne krank zu werden und in Urlaub zu fahren. Und daran: Die Leute knipsen immer mehr mit Digitalkameras, und immer weniger Fotofilme werden verkauft. Jedes Mal gehen Arbeitsplätze verloren. Leider können im Maschinenbau nicht so viele Arbeit finden, wie durch die Maschinen ersetzt werden. Und Digitalkameras werden in Deutschland kaum hergestellt. Für viele Dinge, die bei uns trotzdem noch zu tun wären, ist aber kein Geld da. Sagen zumindest die, die es verteilen. Dabei gibt es jede Menge Schlaglöcher zu flicken, Schultoiletten zu sanieren und Greisenpopos abzuputzen. Alles Arbeit, die gemacht werden müsste! Kann man da nicht die Arbeitslosen direkt die Arbeit machen lassen? Da bekämen aber die, die jetzt in der Altenpflege arbeiten oder Straßen reparieren, Konkurrenz. Da wird die Sache kompliziert.

Warum muss unsere Wirtschaft ständig wachsen?

Nehmen wir einmal an, allen ginge es gut, es würden genau so viele Kinder geboren, wie Tote begraben werden; Gesundheitssystem, Verkehrssystem, Schulsystem – alles wäre optimal ausgestattet. Trotzdem müsste die Wirtschaft wachsen. Warum? Dazu muss man sich erst eine andere Frage stellen: Was ist Wirtschaft?
Wirtschaft ist Austausch von Produkten und Dienstleistungen. Heute tauschen wir ja keine Kuhhäute gegen Feuersteine mehr. Für diesen Tausch benutzen wir Geld. Das ist viel praktischer. Aber woher kommt das Geld?
Bei uns von den Banken. Da sitzen Menschen, die Geld verdienen, manche ganz schön viel, die brauchen Häuser, Telefone und so weiter. Also Geld! Die Banken wollen also Geld dafür, dass sie Geld für die Wirtschaft zur Verfügung stellen, es verwalten, überweisen. Dieses Geld nehmen die Banken in Form von Zinsen ein. Und diese Zinsen, also das Geld für das Geld, müssen all die aufbringen, die in der Wirtschaft tauschen oder sich gar Geld leihen. Weil sie beim Tauschen immer nur den Gegenwert bekommen, müssen sie das, was das Geld kostet, also die Zinsen, zusätzlich aufbringen. Solange die Wirtschaft wächst, ist das kein Problem. Dann bekommen die Banken aus den Zuwächsen ihre Zinsen.
Bei uns müsste das Wirtschaftswachstum so ungefähr zwei Prozent betragen, damit das alles klappt. Zwei Prozent mehr pro Jahr, das klingt nicht nach viel. Aber zwei Prozent jedes Jahr bedeutet eine Verdoppelung nach 35 Jahren!
Doppelt so viele Autos, Blinddarmoperationen, Fernseher, Kühlschränke? Das ist schwer vorstellbar. Manches möchte man sich auch gar nicht wünschen, wenn man zum Beispiel an die Umwelt denkt.
Im letzten Jahr und in diesem lag das Wachstum unter dem, was für das Geld ausgegeben werden musste. Für die Politiker ist das schlimm, denn sie können nicht, wie in früheren Jahren, aus dem Wachstum etwas verteilen. Sondern sie müssen Schulden machen, was wieder mehr Zinszahlungen bedeutet, und sie müssen den Leuten etwas wegnehmen – und das ist schwer, denn wer freut sich schon, wenn ihm etwas weggenommen wird? Die Politiker an der Regierung machen sich unbeliebt und können nur hoffen, dass die Wähler verstehen, dass die Opposition kaum was anders machen könnte.
Früher wurden diese Probleme durch Kriege, Revolutionen oder Ähnliches gelöst. Damit wurde die Wirtschaft sozusagen wieder auf null gesetzt, die Finanzminister waren ihre Schulden los, falls sie überlebt hatten, und alles konnte von vorn anfangen. Aber wer will schon Krieg? Auch mit dem Zusammenbruch von Börsen oder anderen kleinen finanziellen Katastrophen können wir heute Geld "verbrennen". Wenn sich eine Lösung finden muss, hat sich bis jetzt noch immer eine gefunden.

Warum wollen eigentlich alle immer so viel Geld haben?

Geld ist ein Tauschmittel. Wir arbeiten – und der Chef gibt uns dafür Geld. Das tauschen wir dann gegen Lebensmittel und was man sonst so braucht, Fahrräder, Stifte und Bonbons zum Beispiel. Im Normalfall klappt das ganz gut.
Wenn aber die Bedürfnisse größer werden – weite Reisen ins Ausland, ’n dicker Schlitten, Diamantschmuck – wird das Geld knapp, und man wünscht sich, man hätte mehr davon. Anders als bei den Tieren ist es bei uns Menschen nämlich so, dass wir selten zufrieden sind mit dem, was wir haben. Das kann Ansporn und Frust zugleich bedeuten. Obwohl wir viele wichtige Dinge im Leben – Liebe, Zuneigung, Freundschaft, Gesundheit und Glück – nicht mit Geld kaufen können, glauben viele trotzdem, mehr Geld würde sie glücklicher machen.
Natürlich lebt es sich angenehmer, wenn man keine Geldsorgen hat, aber dass mehr Geld mehr Glück bedeutet – das stimmt garantiert nicht.

Warum haben Bundespräsidenten immer graue Haare?

Graue Haare haben bei uns etwas mit Alter zu tun und mit Erfahrung. Ein Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin sollte weise und erfahren sein, über den Streitereien des Alltags stehen und das Vertrauen aller Bürger haben. Dabei helfen graue Haare enorm, weil sie gerade das signalisieren. Und das ist bei den Affen übrigens genauso. Da ist auch der Silberrücken der Chef – bis er den anderen irgendwann zu alt vorkommt.

Ist Gerhard Schröder der Schlaueste von allen, oder warum ist er Bundeskanzler?

Gerhard Schröder ist sicher nicht nur sehr schlau, sondern auch sehr klug. So schlau und so klug wie viele andere Politiker auch. Alle Politiker, die wir aus dem Fernsehen kennen, haben unzählige Abende in langweiligen Parteiversammlungen, Sitzungen und Ausschüssen verbracht. Über viele Jahre muss man als Politiker Intrigen überstehen und manchmal sogar selber welche machen, man muss Machtkämpfe gewinnen, lange Abende länger als seine Gegner durchhalten, sich mit Friedhofsordnungen befassen, Personalplänen, Etats und Haushalten und anderen nicht gerade prickelnden Dingen. Immer in der Hoffnung, etwas bewirken zu können, das das Leben besser macht; in der Gemeinde, im Landkreis, im Bund oder weltweit. Und um Bundeskanzler zu werden, muss man nicht nur viele Freunde von sich überzeugen können, sondern auch die Wähler. Bundeskanzler werden muss man wirklich wollen. Ehrlich gesagt, würde ich mit Gerhard Schröder nicht tauschen. Ich bin froh, dass er den Job macht.