Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder wissen, wie riskant es ist, klare Entscheidungen zu treffen. Bush traf solch einen eindeutigen Entschluss, als er sich entschied, den Krieg gegen den Irak zu führen - er könnte ihn nicht nur die Wiederwahl kosten, sondern in den kommenden Jahren auch weitere Belastungen für die Vereinigten Staaten bringen. Schröder traf ebenfalls eine klare Entscheidung - nämlich die, Bushs Krieg nicht zu unterstützen. Diese Entscheidung war einer der Gründe für Schröders Wiederwahl. Zugleich aber war sie die Ursache für die lang anhaltende Funkstille, die anschließend zwischen Berlin und Washington eintrat.

Inzwischen stehen beide Politiker vor weiteren schwierigen Entscheidungen.

Beide haben es mit nervösen Wählern zu tun, mit Verunsicherung sowohl im eigenen Land wie in der internationalen Arena. Vielleicht hatten sie ihr geteiltes Dilemma begriffen, als sie sich im September in New York trafen.

Jedenfalls lautete ihre gemeinsame öffentliche Botschaft: Jetzt ist es an der Zeit, nach neuer Übereinstimmung zu suchen.

Für die Zukunft der Irak-Politik existieren derzeit zwei konkurrierende Visionen. Die eine ähnelt den gemeinsamen Bemühungen nach dem Zweiten Weltkrieg, Europa und besonders Deutschland wieder aufzubauen. Bemühungen, an denen sich bis auf die Sowjetunion alle Staaten beteiligten. Das andere Szenario für den Irak erinnert an den tiefen Sumpf, in den die Vereinigten Staaten vor 30 Jahren in Vietnam versanken.

Die europäischen Regierungschefs einschließlich Gerhard Schröder wissen, dass es nicht in ihrem Interesse ist, die Vereinigten Staaten im Irak scheitern zu sehen. Damit die Dinge vorankommen, werden die USA und Europa einen pragmatischen Konsens entwickeln müssen. Zu diesem Konsens muss einerseits die Anerkennung der militärischen Autorität der Vereinigten Staaten gehören.

Andererseits werden Wirtschafts- und Entwicklungshilfe im Rahmen eines Mandats der Vereinten Nationen erfolgen müssen.