Er hatte elf Autounfälle und einen Flugzeugabsturz überlebt. Er war bereits einmal klinisch tot und musste nach einem Tauchunfall wieder belebt werden. Die Medien spotteten über seine unbeholfenen, nicht enden wollenden Schachtelsätze voll Freudscher Fehlleistungen. Herbert Haupt, der Chef der rechtspopulistischen FPÖ, war ein tragisch-komischer österreichischer Vizekanzler. 

Jetzt ist er zurücktreten. Nach "langen und sehr unterschiedlichen Gesprächen mit meinen Freunden innerhalb der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft" habe er nun eine "leichte Entscheidung" getroffen, erklärte er. Das Gegenteil ist der Fall. Jörg Haider, der einst europaweit gefürchtete Rechtspopulist und de facto Chef der Österreichischen FPÖ, hat sich nämlich zurückgemeldet. Er mischt wieder ordentlich mit in der österreichischen Innenpolitik. Nach wochenlangen internen Machtkämpfen hat er wieder einmal einen Vizekanzler davon gejagt. Die Regierung, die so gerne ihre "Stabilität" beschwört, wird auf Haiders Wunsch schon nach wenigen Monaten in Schlüsselpositionen umgebildet.

Nun wird der gemäßigte Infrastrukturminister Hubert Gorbach den österreichischen Bundeskanzler und wohl auch Jörg Haider vetreten. Der mäßig beliebte Wirtschaftsliberale forderte zwar einst auch "Null Zuwanderung" und "Keine Gnade für Drogendealer". Doch seine populistischen Sprüche tönten immer etwas moderater als die seiner Parteifreunde, die in Wien gegen "Umvolkung" und "Überfremdung" hetzten. Gorbach wird seinem Mentor treu ergeben sein. Wird der Wirtschaftsliberale auch Haiders Parolen für den "kleinen Mann" mittragen? Auf seiner ersten Pressekonferenz am Montag versprach Gorbach jedenfalls, dass "auch Jörg Haider in Zukunft sehr stark in all unsere Überlegungen eingebunden werden wird."  

Haider, der einst von ganz Europa mit Sanktionen bedachte Populist, dem es aufgrund seines unaufgearbeiteten Verhältnisses zur NS-Zeit (er lobte die "ordentliche Beschäftigungspolitik" des Dritten Reiches und huldigte Mitglieder der Waffen-SS) realpolitisch verwehrt ist, ein Ministeramt anzunehmen, zeigt einmal mehr, dass er das Schicksal der Koalition zwischen der christlichen Volkspartei Wolfgang Schüssels und der rechtspopulistischen FPÖ entscheidend mitbestimmen kann. Offiziell wird ja von der ÖVP, behauptet, dass Haider "keine Rolle" mehr spiele. Man habe den Rechtspopulisten aus dem Bärental gebändigt, heißt es.  

Das Gegenteil ist der Fall. Haider ist präsent wie schon lange nicht. Auch an der blauen Parteispitze hat er, der im Jahr 2000 den Parteivorsitz zurücklegte, personelle Veränderungen in seinem Sinne durchgesetzt. Parteichef Haupt, der zuletzt mit Patenschaften für Nipferde im berühmten Schönbrunner Zoo für Gelächter sorgte, wird auch parteiintern entmachtet. Weil die Partei "Zugpferde und keine Nilpferde" brauche (so ein FPÖ-Insider), wurde die Staatsekretärin Ursula Haubner zur geschäftsführenden Parteiobfrau ernannt. Auch bei ihr kann Haider auf volle Loyalität hoffen. Sie ist seine Schwester. Zwar gilt sie als moderate und bemühte Sozialpolitikerin, doch Kritik an ihrem vorlauten Bruder wagte sie noch nie. "Ich bin seine verlässliche Partnerin", versichert sie.

Familiäre Unterstützung braucht Haider jetzt offenbar ganz dringend. Denn es geht um einen der letzten bedeutenden Posten für die FPÖ. Im Frühjahr stehen die Landeswahlen in der südlichen Provinz Kärnten an. Dort reitet Haider zwar im Herzogskostüm medienwirksam durch die Wälder, dort lässt sich der "Feschist" (das Wiener Stadtmagazin "Falter") in der Schickimicki-Szene am Wörthersee abfeiern. Doch die sensationellen 42 Prozent Wählerstimmen aus dem Jahr 1999 wird er nicht halten können. Die wirtschaftliche Lage Kärntens ist in manchen Regionen schon schlechter als im benachbarten Slowenien. Die skurrilen Besuche Haiders bei Saddam Hussein und Muammar Gaddafi haben die Kärntner auch noch nicht verziehen.  

Haider wird sich deshalb zu profilieren versuchen. Schon kündigt er an, als "Steuerexperte" der FPÖ bei Regierungsverhandlungen aufzutreten, damit die Steuerreform vorgezogen wird. Eine Zerreißprobe, an der die Regierung schon einmal gescheitert ist. In den Verhandlungen wird Haider dann auch noch seinem zu Wolfgang Schüssel übergelaufenen Ziehsohn, dem schicken Finanzminister Karl- Heinz Grasser gegenübersitzen. Einen "moralischen Flachwurzler" hatte er den "Golf spielenden Verräter", der seit Monaten in eine Finanz- und Spendenaffäre verwickelt ist, genannt.