György Angel, 47 Jahre alt, 27 Jahre davon im Bergbau, sitzt im Wohnzimmer seiner Freundin in Gelsenkirchen-Horst, dreht sich eine Schwarzer Krauser, und er ärgert sich. Darüber, dass ihm in letzter Zeit alle nur noch mit den Subventionen kommen. Alle, sein ältester Bruder und die Rentner in seiner Stammkneipe, die immer leerer wird, weil seit kurzem auch der letzte Taubenzüchterverein wegbleibt. Er ärgert sich darüber, dass sie ihn, den Mann, der fossile Brennstoffe aus der Erde holt, selbst ein Fossil nennen.

Fast 3,3 Milliarden Euro zahlen die Steuerzahler in diesem Jahr für die Steinkohle, mehr als 70000 Euro für jeden verbliebenen Bergmann, der in Deutschland nach Steinkohle gräbt. Das ist mehr Geld, als ein Arbeitsloser in einem Jahr kostet, mehr als das, was Angel als Maschinenaufsichtshauer, eine Art Schlosser, im Jahr verdient.

Am nächsten Morgen nimmt sich der Bergmann mit der Nummer 316 seine Lampe, und dann rast er mit dem Förderkorb hinab, 987,4 Meter tief, 12 Meter pro Sekunde schnell, hinein in das Bergwerk Auguste-Victoria bei Marl, hinein in diese andere Welt. Es ist heute kein richtiger Arbeitstag für ihn, schließlich begleiten ihn der Reporter und ein Mann von der Pressestelle, der aufpasst, dass man Angel richtig versteht.

Angel ist es anzumerken, dass er lieber richtig arbeiten würde, wie die Kollegen, die ihm entgegenkommen und ihn mit "Glück auf" und manchmal mit "Glück auf, Schorsch" begrüßen. Immer wieder zieht er einen Schraubenzieher aus seinem Gürtel, um etwas mit den Händen zu tun, und er zeichnet Skizzen in den Kohlestaub, die erklären sollen, wie die Männer hier arbeiten, wie sie sich in den Berg graben. Angel will nicht nur, dass man seine Zuneigung für den Bergbau versteht, er möchte auch, dass man weiß, wie der Bergbau funktioniert.

Auf dem Weg zum Walzenschrämlader, einer Walze, die drehend Kohle schürft, drückt sich der Berg in die Tunnelböden, und das Gestein wird holprig und buckelig. Und weil nicht überall Planken aus Eisen liegen, die das Gehen leichter machen, ist dieser Weg beschwerlich für Angel, auch wenn er es jetzt nicht sagt. Er spürt seine Knie, die schon zweimal im Krankenhaus Bergmannsheil operiert werden mussten, und auch die Wirbelsäule schmerzt. "Ich nehme an, dass noch einmal eine Operation nötig werden könnte", sagt er mit seinen Worten, die er manchmal so vorsichtig setzt wie seine Füße im Dunkeln. Die Krankheit ist als Berufskrankheit anerkannt: zehn Jahre kniend und gebückt, das kann Angel nachweisen.

Angel bleibt an den Maschinen stehen, vielleicht auch, um sich auszuruhen, sicher, um geduldig die Funktionen des Abbauhammers und des Mitnehmers zu beschreiben. Nicht selten fordert er einen auf, das Teil mal anzufassen, zu heben. Und dann schaut er einem in die Augen und freut sich, wenn er sieht, dass man die Teile nicht halten kann, dass man an der Eisenkette, die in einer Wanne liegt, kaum rütteln kann, dieselbe Kette, die er eben angehoben hat, fast wie ein Schmuckstück.

Als der Pressemann erklärt, dass bald Ketten aus Kunststoff die Eisenketten ersetzen sollen, brummelt Angel ihm hinterher, "Na ja, da wird sich die Stahlindustrie aber kaum freuen." Angel lacht nicht, als er es sagt.

Als man ihn einmal fragt, warum die Dieselkatze so einen Namen trägt, ob es daran liegt, dass sie schnurrt wie eine Katze, sagt er: "Ich weiß es gar nicht, ich arbeite so lange schon mit der Dieselkatze, aber diese Frage habe ich mir noch nie gestellt." In seinem Gesicht ist zu lesen, dass er sich das nicht verzeiht, so etwas nicht zu wissen.