In Deutschland nach Steinkohle zu graben lohnt sich nicht, jedenfalls nicht, wenn man die Kosten betrachtet. Überhaupt nur weil der Staat das Geschäft mit hohen Zuschüssen unterstützt, geht der Bergbau in Deutschland weiter. Hier liegt die Kohle tief unter der Erde, sie kann deshalb nur mit enormem Aufwand ans Tageslicht befördert werden. Viel preiswerter wäre es, die gleiche Kohle aus dem Ausland einzukaufen, etwa aus den USA, Polen, Australien oder Südafrika. Dort ist die Kohle um zwei Drittel billiger, vor allem deswegen, weil die Kohleflöze dort nicht so tief liegen, in den USA oder Australien sogar fast direkt unter der Grasnarbe.

Warum geht es doch weiter? Die Kohle in Deutschland hat eine starke Lobby. Die Gewerkschaften und die Deutsche Steinkohle AG (DSK) kämpfen gemeinsam für den Erhalt der Arbeitsplätze. Erst in diesem Sommer haben sich die Bundesregierung, Vertreter der Gewerkschaften und die Bergbauindustrie darauf geeinigt, dass dauerhaft 16 Millionen Tonnen Kohle jährlich gefördert werden sollen, heute sind es noch 28 Millionen Tonnen. Das Tempo, mit dem die Subventionen verringert werden, soll sich senken. In ein Gesetz sind diese Absprachen allerdings noch nicht gegossen. Mit scharfem Protest der Kohlesubventionsgegner darf gerechnet werden.

Fast 3,3 Milliarden Euro Subventionen erhält die Steinkohle 2003. Das ergibt eine Förderung von über 70000 Euro pro Beschäftigten. Heute arbeiten im Bergbau nur noch rund 45000 Menschen, 1990 waren es noch 130000. Vor wenigen Wochen erst hat die DSK beschlossen, die Bergwerke Warndt-Luisental und Lohberg-Osterfeld bis zum Jahr 2007 zu schließen. Die Bergleute fallen dabei nicht ins "Bergfreie", wie es in ihrer Sprache heißt, sondern sie gehen früher in Rente oder lassen sich in andere Jobs vermitteln.

Die Gegner der Kohle kritisieren nicht nur die hohen Kosten, sie fürchten auch die Altlasten, die der Bergbau hinterlässt, und die Schäden, die er anrichtet. Im Saarland etwa kämpft ein ganzes Dorf, Fürstenhausen, dagegen, nicht im Boden zu versinken, und in Walsum in Nordrhein-Westfalen befürchten die Bewohner, dass aufgrund der Eingriffe ins Erdreich durch Bergbau ihre Keller überflutet werden.

Das immer wieder vorgebrachte Argument der Kohlelobby: Dank seiner Kohle muss Deutschland nicht befürchten, eines Tages im Dunkeln zu stehen. Allerdings trägt deutsche Kohle nur noch rund fünf Prozent zur heimischen Energieversorgung bei. Und außerdem ist kaum zu befürchten, dass Deutschland von den anderen Kohleländern, allesamt Industrienationen, keine Ware mehr bekommt. Die DSK bemüht sich derweil nach Kräften, auf den Zusammenhang von Wohlergehen und Kohleförderung hinzuweisen: Gerade hat das Unternehmen eine Anzeige geschaltet, darauf ist ein Junge zu sehen, der ein Motorrad steuert, ein bärtiger Mann auf dem Rücksitz schießt mit einer Panzerfaust. Darüber steht: "Wird hier gerade über unsere Energieversorgung entschieden?"

MATTHIAS STOLZ