Um ihren besten Kunden, den Geschäftsreisenden, endlich mehr Komfort zu bieten, investieren Lufthansa und Air France jeweils rund 300 Millionen Euro. Mehr als drei Jahre nachdem Pionier British Airways das fliegende Bett in der Business Class erfunden hat und solcher Komfort auf Langstrecken bei den meisten asiatischen Gesellschaften Standard ist, ziehen nun auch die wichtigsten Fluggesellschaften des alten Europa nach.

Gerade Lufthansa war mit ihrer weit unterdurchschnittlichen Business Class auf Langstrecken in den letzten Jahren in der Gunst der Geschäftsreisenden weit zurückgefallen. "Wir haben da schon seit langem keine Flüge mehr gebucht, die haben einfach zu wenig geboten für’s Geld", sagt Anja Raschmann, Marketing-Managerin einer großen Hamburger Außenhandelsfirma. Das könnte sich jetzt ändern. Obwohl auch die neuen Liegesitze der Lufthansa-Business-Class mit nunmehr 1,50 Meter einen im Vergleich eher bescheidenen Sitzabstand aufweisen (BA bietet 1,85 Meter, ANA All Nippon Airways 1,65 Meter), stellt der so genannte LieFlat-Sitz einen Quantensprung dar.

Anders als etwa ANA, Cathay Pacific, Swiss und Air France, die ihre neuen Business-Betten alle vom selben Hersteller beziehen, ist Lufthansa stolz auf eine Eigenentwicklung mit besonderen Finessen. Neu ist beispielsweise ein aufblasbares Kissen im Sitz, das Massagefunktion hat, sich aber auch der Körperform des jeweiligen Passagiers anpasst. Anders als bei den Konkurrenten lässt sich der neue Lufthansa-Sitz nicht nur in vorbestimmten Positionen arretieren, sondern stufenlos in jeder Einstellung zwischen aufrechtem Sitzen und flachem Liegen. Vom Nachbarn kann man sich durch das massive Tischchen als Barriere abschirmen. Besonders nutzerfreundlich sind zusätzliche Fächer, etwa für Brillen oder zum Verstauen des Laptops.

Ein wirklich ebenes Business-Bett hat als einzige Gesellschaft British Airways. Das ist allerdings nur 1,83 Meter lang. Bei allen anderen Airlines – und auch bei Lufthansa – hat sich eine platzsparende Variante mit einer leichten Neigung der Fläche zwischen 9 und 13 Grad etabliert. Je nach Sitzkonstruktion führt dies mitunter zu einem unangenehmen Rutscheffekt, weil sich der Körper im Schlaf häufig in Richtung Fußende verlagert. Die Lufthansa reklamiert für sich, mit zwei Metern "das längste Bett" in der Business Class zu haben. Eine bezogene Schlafstatt jedoch bleibt weiterhin Privileg der ersten Klasse, auch wenn die aktuelle Anzeigen anderes zu verheißen scheinen.

Neu in der Geschäftsreise-Klasse sind auch Bordunterhaltung und -kommunikation: Statt wie bisher auf den kaum taschenbuchgroßen Bildschirm schaut der Passagier jetzt auf einen viermal größeren. Er kann sich außerdem aus einem großen digital gespeicherten Angebot sein eigenes Audio-und Videoprogramm zusammenstellen und es jederzeit starten oder stoppen. Eine Weltneuheit feiert im Frühjahr 2004 Premiere: der gebührenpflichtige Zugang zum Internet während des Fluges, entweder drahtlos mit dem eigenen Laptop oder über eine virtuelle Tastatur auf dem eingebauten Bildschirm. Sowohl das Unterhaltungsangebot wie auch der Sitz wird nicht mehr getrennt, sondern mit einer einzigen Bedienung gesteuert.

Den neuen Komfort genießen Lufthansa-Kunden ab 18. Dezember auf den Flügen von Frankfurt nach Buenos Aires, kurz darauf folgen die Strecke nach Santiago de Chile und mehrere Routen zu kanadischen Zielorten, die alle mit dem nagelneuen Langstrecken-Airbus A 340-600 bedient werden. Innerhalb von sechs Monaten sollen 20 neue Airbus-Jets mit der verbesserten Business Class unterwegs sein, die Umrüstung aller rund 80 Langstrecken-Flieger der Lufthansa ist bis Januar 2006 geplant.

Wesentlich schneller als Lufthansa baut Air France seine Business Class in der Langstreckenflotte um. Sehr elegant, jedoch mit 13-Grad-Neigung etwas steiler liegend, reisen Business-Gäste künftig bei den Franzosen. Schon im November startet die erste neu gestaltete Boeing 777-200, bis April 2005 sollen alle anderen Flugzeuge fertig sein. Nur auf 40 Prozent ihrer Langstrecken wird Air France künftig noch eine ebenfalls neu gestaltete First Class anbieten – deren an eine Hotelsuite angelehntes Edel-Design weckt schon jetzt den Neid der Konkurrenz. 80 Prozent aller Fluggäste sitzen aber weiterhin in der Economy Class, in der Air France jetzt verbesserte Sitze und ein individuelles Unterhaltungsprogramm anbietet, während sich bei Lufthansa vorerst nichts ändert.