Für die Ärzte-Lobby könnte 2003 als das Erfolgsjahr schlechthin in die Annalen eingehen. Nachdem die Doktoren Reformen in ihrem Bereich weitgehend abwenden konnten, greifen sie nun nach der Oberaufsicht in der Selbstverwaltung. Vergeblich versuchte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Sommer mit ihrer Reform die Macht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu beschneiden. Die Funktionäre sorgten unter anderem dafür, dass das so genannte Institut für Qualität in der Medizin - geplant, um den Ärtzen auf die Finger zu sehen - nun umgekehrt von den Doktoren kontrolliert wird. Das Institut soll nämlich dem Bundesausschuss unterstehen, in dem Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen aushandeln, wer auf Kassenkosten welche Leiden kurieren darf und wie. Nun mehren sich die Hinweise, dass in diesem Ausschuss Rainer Hess, derzeit KBV-Hauptgeschäftsführer und damit einer der führenden Lobbyisten, den Vorsitz übernimmt. "Damit gerät das mächtigste Verteilungsorgan der Gesundheitspolitik unter die Kuratel der Ärzteschaft", kritisiert der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach. Der bisherige Ausschuss wird von Ex-Staatssekretär Karl Jung geleitet, der jedoch zu Jahresbeginn in den Ruhestand geht.