Die chinesische Regierung hat unlängst eine Kampagne gegen "ungehobeltes Verhalten" chinesischer Touristen im Ausland begonnen. Jetzt bieten Reisebüros Benimm-Kurse zur Urlaubsvorbereitung an. Ist das wirklich nötig?

Chinesen versuchen, sich den Sitten des Landes anzupassen – nur müssen sie die erst einmal kennen. Darum weisen unsere chinesischen Reiseleiter die Gäste gleich zu Beginn der Tour auf hiesige Gebräuche hin. Wenn sie etwa erklären: Deutsche spucken nicht auf die Straße, halten sich die Besucher sofort daran. Sie möchten als zivilisiert gelten und befolgen die Ratschläge, selbst wenn sie den hiesigen Brauch seltsam finden. In ein Taschentuch zu schnäuzen und es dann wieder einzustecken ist aus chinesischer Sicht unappetitlich.

Stimmt die manchmal geäußerte Kritik, dass chinesische Hotelgäste zu laut seien?

Abends im Hotel stehen alle Zimmertüren offen: Die Chinesen rauchen, scherzen, lachen und rufen sich über den Gang einen Gruß zu. Das fällt natürlich auf, schon wegen des fremden Klangs. Der Lärm stört andere Gäste, aber auch der Geruch, der aus den Zimmern kommt. Denn Chinesen haben gern einen Wasserkocher, nicht nur für Tee, auch für Fertignudeln, die sie manchmal direkt in den Kocher werfen. Die Hoteliers sind davon nicht so begeistert.

Gibt es noch andere Gewohnheiten, die für Deutsche etwas befremdlich sind, für chinesische Touristen aber ganz selbstverständlich?

Beim Frühstückbuffet häufen sie Süßes und Herzhaftes zugleich auf den Teller. Sie essen dann Fisch und Obst durcheinander. Im Restaurant bitten sie um heißes Wasser und trinken ihren mitgebrachten Tee. Oder sie stellen die eigene Schnapsflasche auf den Tisch. Mir war das erst schrecklich peinlich. Die Kellner in China-Restaurants aber finden es ganz normal und bringen Gläser. Ungewohnt für Deutsche ist auch, dass Chinesen bei den Mahlzeiten zwischendurch rauchen.

Manche Reiseveranstalter klagen, Gäste aus China seien sehr anspruchsvolle Kunden.