DIE ZEIT: Herr Pöhl, wer braucht heute eigentlich noch die Bundesbank?

KARL OTTO PÖHL: Die Bundesbank hat ihre geldpolitische Funktion an den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) abgetreten. Allerdings gehört der Bundesbank-Präsident ihm als Mitglied an. Im Statut der Europäischen Zentralbank ist geregelt, dass die nationalen Notenbanken die Beschlüsse des EZB-Rates auszuführen haben. Die Bundesbank spielt also eine ähnliche Rolle, die zur Zeit der D-Mark die Landeszentralbanken gespielt haben.

ZEIT: Ist die Bundesbank heute zu groß?

PÖHL: Sie war personell und organisatorisch immer recht groß. Schon in der alten Bundesrepublik war sie überdimensioniert. Aber das stammt aus der traditionellen föderalen Struktur. Immerhin ist der Zentralbankrat abgeschafft und durch einen Vorstand ersetzt worden.

ZEIT: Auch wenn die Bundesbank heute nur noch "ausführen" darf, ihre Ideologie ist im Euroland weiter präsent: Unabhängigkeit, niedrige Inflation und sparsame Haushaltspolitik. Inzwischen aber werden überall in der Welt höhere Staatsschulden toleriert, um die Nachfrage anzukurbeln. Bloß im Euroland ist das verfemt. Ist das ein Fehler?

PÖHL: Die Prinzipien, die Sie nennen, sind die Grundlage der Währungsunion und der EZB. Sie bleiben natürlich weiterhin gültig.

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