Schon in O Brother, Where Art Thou , dem letzten Film der Coen-Brüder, gab es erste Hinweise. Da ging George Clooney als flüchtiger Sträfling abends mit einem Haarnetz schlafen, auf dass die pomadisierte Tolle morgens in aller Form erstrahlte. Sorgfältig glättete er die Härchen des hauchdünnen Schnurrbarts, der Blick in den Spiegel wurde zum fortwährenden Triumph des smarten Beauty-Kings. In ihrem neuen Film machen die Coens nun richtig ernst mit der Schönheit. Ein (un)möglicher Härtefall handelt von Scheidungskriegen und wahrer Liebe, vor allem aber von einem Hollywoodstar, der den Mythos seines perfekten Erscheinungsbildes mit einer wunderbar eitlen Rolle fröhlich in die Luft jagt.

Clooney spielt den ausgebufften Scheidungsanwalt Miles Massey, den die Ehekrisen seiner betuchten Klienten zum Multimillionär gemacht haben. Markenzeichen des Edeljuristen ist sein ausgestelltes Siegerlächeln, ein haifischartiges Zähnefletschen, das er mit aller Sorgfalt pflegt. Das Erste, was wir von ihm sehen, ist denn auch sein Gebiss, ein grotesk übersteigertes Marmorgrinsen aus der Perspektive eines Zahnarztes. Immer wieder wird Clooney in diesem Film Einblicke in die unendliche Arbeit des Schönseins geben, zwanghaft Gebiss und Zahnfleisch in Augenschein nehmen, sein makelloses Lächeln in jedem Aufzugsspiegel auf Sandwichkrümel überprüfen. Der Überschwang, mit dem hier ein Schauspieler sein eigenes Image als Womanizer in die Pfanne haut, Clooneys Freude am Gockelspielen, an der Ironisierung, ja Veralberung des eigenen Glamours, ist eine kleine Sensation. Man kommt nicht umhin, an Cary Grant zu denken, der seine Anzugträger-Eleganz in Filmen wie Monkey Business mit ähnlich infantiler Ausgelassenheit konterkarierte. In The Philadelphia Story , einer seiner bekanntesten Komödien, gehen Grant, dem Dandy, buchstäblich die Augen über, wenn er Katharine Hepburn, der verwöhnten Tochter aus reichem Hause, begegnet. In einer Art erweitertem Zitat gelingt Clooney bei den Coens der vielleicht glubschäugigste Blick der Filmgeschichte, als er Catherine Zeta-Jones zum ersten Mal am Konferenztisch seiner Anwaltskanzlei begegnet. Zeta-Jones spielt Marylin Rexroth, eine notorische Heiratsschwindlerin und Frau seines Mandanten. Mit einer gewissen Schelmenfreude gibt sie ein Luxusluder, das die Eheschließung als höheren Gesellschaftssport betreibt. Zwischen dem verliebten Advokaten und der geldgierigen Schönen entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel um Geld und Gefühl, Liebesschwüre und Eheverträge, die so schnell zerrissen wie zusammengeklebt sind.

Auf ihrer Reise durch die amerikanischen Erzählgenres sind Joel und Ethan Coen nun also bei der Screwball-Komödie der dreißiger Jahre angelangt, die das Sich-Finden widerspenstiger Partner mit schlagfertigen Dialogen und Slapsticknummern spickt. Doch diesmal knirscht es mächtig im Gebälk des Coen-Universums. So lustvoll der Geschlechterkampf von den beiden Darstellern gespielt wird, so unrhythmisch haben die beiden Brüder ihre Geschichte inszeniert und montiert. Immer wieder unterwandern die Autoren das Timing ihrer Darsteller mit erstaunlich grobschlächtigen Erzählschritten. Vor allem aber fehlt der "Coen-Touch", jener wahrheitsgetreu verzerrende Blick auf die amerikanische Kultur, der in jedem Film einen neuen visuellen Stil hervorbrachte. Ein (un)möglicher Härtefall ist eine Manege für zwei zu jedem noch so blöden Witz entschlossene Darsteller und eine lahmfüßige Screwball-Komödie, ein wunderbarer Schauspielerfilm und ein mittelmäßiges Coen-Werk. Fairerweise aber muss man den beiden Brüdern zugestehen, dass sie die unromantischste romantische Komödie der letzten Jahre gedreht haben. Gegen die abgebrühte, geldgeile Society, die hier porträtiert wird, hat selbst der hingebungsvolle Schlusskuss von Clooney und Zeta-Jones keine Chance. Über dem Happy End kreisen schon die grinsenden Scheidungsanwälte.