Der öffentliche Streit klang nach David gegen Goliath, nach Ost gegen West. Vergangene Woche hatte der Getränkehersteller Thüsa aus dem thüringischen Ritschenhausen vor dem Landgericht Braunschweig in einen Vergleich eingewilligt: Gegen 25 000 Euro übertrug er dem im niedersächsischen Wolfenbüttel beheimateten Produzenten des zum internationalen Kultgetränk aufgestiegenen Kräuterlikörs Jägermeister die Marke "Wächters Forstmeister".

Doch das Klischee stimmt wohl nicht so ganz: Fast drei Jahre lang hat Thüsa auf Angebote der Wolfenbüttler, die Marke zu übernehmen und zugleich eine kostenlose Lizenz zu erteilen, wenig konstruktiv reagiert. "Die Firma hat immer gemauert", sagt Jägermeisters Vorstandschef Hasso Kaempfe. Laut Klageschrift blieben Vorschläge für Gesprächstermine ohne Antwort, die angeblich lange Tradition des Magenbitters "Forstmeister" ohne Erläuterung.

Während Thüsa-Chef Rudolf Wächter "eine Machtprobe mit politischem Hintergrund" vermutet, bestätigt der zuständige Richter Stefan Miersch den Standardcharakter des Verfahrens: "Jägermeister in den Ruf bringen zu wollen, kleine Unternehmen in den Ruin treiben zu wollen, ist nicht gerechtfertigt."

Thüsa macht mit dem Forstmeister gerade mal 4 bis 7 Prozent seines Jahresumsatzes von 3,7 Millionen Euro.