Kein Kunstereignis war in diesem Jahr mit so großer Spannung erwartet worden wie die von der Fachzeitschrift Frieze erstmals veranstaltete Frieze Art Fair in London (17.–20.10.). Die Liste der Teilnehmer las sich viel versprechend – zum Nachteil der jetzt bevorstehenden Art Cologne und des vorangegangenen Art Forum Berlin. Bereits Stunden vor der Vernissage eilten die ersten Sammler sichtlich aufgeregt durch das weiße Zelt auf der grünen Wiese im Regent’s Park, in dem fünf Tage lang hochkarätige zeitgenössische Kunst auf geballtem Raum angeboten und teils auch sehr gut verkauft wurde.

"Das ist die erste Messe, die so konsequent und konzentriert auf die Kunst und die Aussteller der jetzigen Generation setzt", lobte der in Köln ansässige Galerist Aurel Scheibler das Konzept. "Nur mit Basel vergleichbar", fand Franz Lehmann, Leipzig, und freute sich über den Verkauf von Werken Eberhard Havekosts, Thoralf Knoblochs und Frank Nitsches. Auch Barbara Wien, aus Berlin mit Fluxus-Künstlern wie Thomas Schmit und Arthur Köpcke sowie feinen Editionen angereist, war begeistert: "So ein tolles internationales Publikum, davon kann man nur träumen!" Luis Campaña erzielte für ein Gemälde von Dirk Skreber mit 60000 Euro den vorläufigen Höchstpreis und hat auch sonst "sehr gut verkauft". Allerdings stellt er sich die Frage, "ob sich ein solcher Event ein zweites Mal herstellen lassen wird". Im kommenden Jahr will er als Kölner auf der heimatlichen Messe "wieder Flagge zeigen".

Christian Nagel, Köln/Berlin, meinte zwar: "Das ist eine Veranstaltung, zu der man wohl zurückkommen muss", äußerte jedoch auch Kritik an der Messe. "Der hohe Anspruch, mit dem man hier angetreten ist, wurde nicht eingelöst: Da wurden per Computer oktogonale Zeltbauten simuliert, und nun sitzen wir hier im Bierzelt." Und dass ausgerechnet einem Hochglanzmagazin wie Frieze nur ein schlecht gedruckter und wenig praktischer Katalog gelungen ist, kann er auch nicht verstehen.

Organisatorische Mängel wurden von vielen beklagt. Die Klimatisierung funktionierte erst am vierten Tag, bis dahin war das Zelt stellenweise total überhitzt und teils eiskalt. Nachts drang Feuchtigkeit durch die leichte Zeltdecke. Wasserflecken und Risse an den Wänden bei Gerd Harry Lybke (Eigen + Art) veranlassten Käufer, großformatige Arbeiten von Neo Rauch, Tim Eitel oder Olav und Carsten Nicolai sofort abtransportieren zu lassen. Die Galerie Neu aus Berlin war mit Andreas Slominski und Katharina Wulff in der "kalten Ecke" des Zeltes erfolgreich, was zunächst über das Halskratzen hinweghalf. Allerdings denkt man hier ebenso wie bei Contemporary Fine Arts, ebenfalls Berlin, und mit Künstlern wie Jörg Immendorff, Daniel Richter und Jonathan Meese vertreten, bereits über eine Rückkehr zum Berliner Art Forum nach. Bruno Brunnet: "Hier wird auch nur mit Wasser gekocht, und ein Zelt bleibt eben nur ein Zelt." Burckhard Riemschneider von der Berliner Galerie neugerriemschneider meint: "Wir sind dies Jahr hier dabei, weil unser Künstler Olafur Eliasson eine große Installation in der Tate Modern hat. Aber man kann nicht sagen, dass hier messemäßig etwas Neues erfunden wurde."

Das Interesse englischer Sammler war im Vorfeld der Messe stark bezweifelt worden, aber nun begeisterte sich doch der eine oder andere kunstinteressierte Brite beispielsweise bei Lybke für die mit den Fingern beschriebenen, wie Landschaften anmutenden Leinwände von Uwe Kowski. "Einen großen Nachholbedarf, begeistertes Interesse von jungen Leuten" beobachtete auch Gisela Capitain, die aus Köln mit Werken von Martin Kippenberger angereist war.

Kritische Töne gegenüber dem gesamten Kunstmarkt schlug Barbara Weiss, Berlin, an: "Es ist schon fragwürdig, wie sehr die Galeriearbeit inzwischen auf Messeteilnahmen und VIP-Programme fokussiert, künstlerische Arbeit auf das Kaufobkjekt reduziert wird." In der ständig größer werdenden Szene versuchten die Sammler, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Auf der Frieze Art Fair trafen sich Käufer aus ganz Europa und den USA, Kuratoren vom Stedelijk Museum in Amsterdam und der Münchner Pinakothek der Moderne, Stars wie Hugh Grant, Claudia Schiffer, Kate Moss und die Messe-Konkurrenten vom Art Forum Berlin, der Art Cologne und der Art Basel. Mit 25000 Besuchern kamen 10000 mehr als erwartet. Für ihre Macher war die Messe damit ein Erfolg. Nun allerdings wartet auf sie richtig Arbeit, sollten sie die Messe in London ernsthaft, stabil und dauerhaft etablieren wollen. Das aber kann nach der ersten, zum Teil schnell gedämpften Euphorie mit dem Einstandsbonus auf dem teuren Pflaster London Jahre dauern.