Halb Lara Croft, halb "Tatort"

Man muss sich Chris wie eine Mischung aus Lara Croft und Tatort- Kommissarin Ulrike Folkerts vorstellen. Harte Schale, weicher, nun ja: rauweicher Kern, schließlich ist sie an allen weichen Stellen heftig gepierct. Doch wie sie sich durch ihre Bilderwelt aus (Asi- und Marienburg-)Köln, TerraX und lesbischem Swingerclub bewegt, das wirkt etwas grob zusammenkopiert. Nicht nur die populären und sexuellen Idolatrien sind das Problem, auch die etwas hilflose Art, diese mittels sprachlicher Heftigkeit und Tempo mit einer ergreifenden und glaubwürdigen Geschichte verbinden zu wollen. Literarisch erinnert dieser Versuch gelegentlich an David Foster Wallace, von dem der inspirierte Übersetzer Marcus Ingendaay etliche Geschichten ins Deutsche übertragen hat. Doch im Unterschied zu Wallace, dessen Figuren gewissermaßen säkulare Erscheinungen haben (ihr Wahn hat innere Konsistenz), bleibt Ingendaays Heldin intakt, selbst wenn sie, ans Bett gefesselt, in einem brennenden Raum liegt. Richtig außer sich gerät sie und für einige Seiten auch der Text eigentlich nur beim Sex. Denn das muss man anerkennend feststellen: Unter den gegenwärtig grassierenden pornografischen Exerzitien der mittleren Generation deutscher Schriftsteller liefert Ingendaay wohl das leidenschaftlichste. Ein Mann sieht Sex zwischen Frauen. Fast hat er ihn. Das immerhin ist schon was. Nämlich ziemlich schräg.