Dumm nur, dass mancher in der Partei draußen noch immer nicht begriffen hat, dass dort in Berlin kein großer Fraktionsapparat mehr agiert. Die Arbeit der verbliebenen beiden Frauen und ihrer Mitarbeiter gleicht einem Kampf gegen Windmühlenflügel. Wenn aus der gerade eingesetzten Föderalismuskommission die Länderparlamente ausgegrenzt werden, trifft das die PDS hart. Immerhin 144 Landtagsabgeordnete hat die Partei im Osten. Werden die Landtage nicht beteiligt, verliert auch die PDS an Einfluss.

Seit eine Bundestagsangestellte sich einmal erkundigte, ob der Herr Thierse ihnen verboten habe, das Kürzel PDS zu nennen, taucht es in jeder Rede der beiden zwei-, dreimal auf. Petra Pau variiert die Namensnennung, Gesine Lötzsch hat sich für eine Art Running Gag entscheiden. Als sie ihre vierte oder fünfte Rede in dieser Woche wieder gut gelaunt mit dem Satz "Ich bin Abgeordnete der PDS" beginnt, erntet sie laut Protokoll "Lachen im ganzen Hause". Es ist keine Häme in der Heiterkeit, der Ton hat sich geändert. Die PDS im Bundestag, das sind für die Abgeordneten eben nur noch diese zwei Personen, die versuchen, mit Witz und Pragmatismus ihre Möglichkeiten, so gut es geht, zu nutzen.

Petra Pau sitzt schon die zweite Wahlperiode im Innenausschuss. Gesine Lötzsch, früher im Berliner Abgeordnetenhaus, arbeitet jetzt im Haushaltsausschuss mit. Dass die Fraktionslosen wenigstens das dürfen, verdanken sie einem Mann, dessen Name manchem Parlamentarier noch heute Magendrücken verursacht. Thomas Wüppesahl, vor 15 Jahren bei den Grünen ausgetreten und dann aus der Fraktion ausgeschlossen, hatte sich als Enfant terrible im Parlament profiliert und vor dem Bundesverfassungsgericht für seine Rechte als Fraktionsloser geklagt.

Einiges hat er erreicht. Die Sitzordnung konnte auch er nicht verändern. Und so sitzen Gesine Lötzsch und Petra Pau ganz hinten links in der Nähe der Tür, wohin die Lichtspiele des Architekten des neuen Reichstags Sir Norman Foster nicht reichen. Der Ältestenrat, dem sie nicht angehören, hat es so entschieden. Auch Wüppesahl saß damals hinten. Es gibt dort zwar Sessel, aber weder Tisch noch Telefon. Die Akten stapeln sich auf dem Boden. Vermutlich wird sich daran trotz vieler Anträge nichts ändern – auch wenn das Kopfschütteln bei Kollegen und Befremden bei Besuchern hervorruft. Wenn es gar nicht anders geht, schicken die Büros Faxe, die ein Saaldiener hineinträgt. Besucher, Termine, Änderungen werden lautlos per SMS angekündigt.

"Wie schade, dass Sie keinen Kollegen haben, der klatschen könnte", hat ein CDU-Abgeordneter Wüppesahl gegenüber vor Jahren mal bedauernd bemerkt. Mindestens in dieser Hinsicht geht es Gesine Lötzsch und Petra Pau besser.