Die Nachrichtenlage um DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist derzeit sehr gemischt. In führenden US-Blättern wie Business Week oder der New York Times wird seit Wochen diskutiert, dass sich der große Daimler-Chrysler-Deal immer mehr als Fehler herausstelle, und spekuliert, ob der große Fusionsschmied nicht bald gehen müsse. In deutschen Zeitungen werden hingegen Gerüchte aus dem Aufsichtsrat kolportiert, wonach Oberaufseher Hilmar Kopper gewillt sei, den bis 2005 laufenden Vertrag seines Freundes Jürgen Schrempp so früh wie möglich nochmals zu verlängern.

Grund für die völlig unterschiedliche Wahrnehmung ist die Einschätzung der Entwicklung von Chrysler. Während jenseits des Atlantiks vielfach große Zweifel herrschen, dass das Teilunternehmen nachhaltig saniert werden kann, will Kopper dem Vorstandsvorsitzenden offenbar genügend Zeit verschaffen, um doch noch zu beweisen, dass die Idee der "Welt AG" funktioniert.

Die Anfang der Woche vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal 2003 könnten Schrempp ein wenig Entlastung bringen. Nach dem dicken Verlust im zweiten Quartal verbuchte die Chrysler Group wieder einen kleinen Gewinn. Abgerechnet wird allerdings erst am Jahresende. Da streben die Stuttgarter zwar nach wie vor einen operating profit von fünf Milliarden Euro für den Konzern an, weisen aber ausdrücklich auf "erhebliche Marktrisiken" hin. Die liegen vornehmlich bei Chrysler in den USA, und dort hat neuerdings auch der japanische Partner Mitsubishi große Probleme.

Sicherheitshalber forcieren die Stuttgarter daher den Verkauf der Tochter MTU Aero Engines. Der Münchner Triebwerkshersteller soll möglichst noch in diesem Jahr zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro in die Konzernkasse spülen.