Die Fahrgemeinschaft

Vorne sieht es ganz gut aus. Über den geschlossenen Schweißinseln, in denen Roboter mit Laserlanzen Pressteile zur Rohkarosse zusammenfügen, zeigt das Display ein "Ist" von 249. Wird die Taktzeit von 44,2 Sekunden gehalten, so werden in der halben Stunde bis zum Schichtende um 14 Uhr noch 21 Autokörper produziert. Damit wäre das "Soll" nur um zwei Stück verfehlt, nicht schlecht.

Vor der Endabnahme in Halle 8 aber sieht es aus wie auf dem Stadionparkplatz bei einem Heimspiel des VfL Wolfsburg. Reihen von Tourans verstellen die freien Räume längs der Produktionslinie. Hier fehlt ein Rücklicht, da schraubt ein Arbeiter hektisch am Cockpit herum, weil etwas nicht stimmt. Jede Menge Nacharbeit an den fast fertigen Wagen.

Kann sein, dass Steffen Saalmann heute wieder eine halbe Stunde auf Katharina Buttler warten muss. Oder sie auf ihn. Oder sie beide auf einen der zwei Kollegen aus ihrer Fahrgemeinschaft.

Saalmann und Buttler macht das nichts, und dafür haben sie mehrere Gründe. Sie sind jung und belastbar, er ist 27, sie 23 Jahre alt. Sonst könnten sie es kaum auf sich nehmen, jeden Tag 280 Kilometer zwischen Wolfsburg und dem heimatlichen Löderburg in Sachsen-Anhalt zu pendeln, und das im Drei-Schicht-Wechsel. Heute früh sind sie um Vsiertel vor fünf zu Hause losgefahren. Und sie sind froh, dass sie diesen Job haben. Und außerdem macht es ihnen trotz aller Belastungen Spaß, bei der Herausforderung dabei zu sein, die Auto 5000 heißt.

Katharina Buttler arbeitet im Karosseriebau. Sie montiert Türen, Heckklappen und Kotflügel. Das ist Präzisionsarbeit, die Spaltmaße müssen stimmen. Steffen Saalmann ist in der Fahrwerksvormontage beschäftigt. Ihm gehen Fachbegriffe wie "Triebsatzübersetzer" so glatt über die Lippen, als habe er nie über anderes geredet. Dabei ist es noch nicht lange her, dass der gelernte Hotelfachmann sich als Bäckereigehilfe und Paketzusteller durchschlug, ehe er arbeitslos wurde. Kollegin Buttler arbeitete dieweil freudlos im Außendienst der Allianz-Versicherung, bis sie den Job schmiss.