Was ist eine "repräsentative Grünfläche mit besonderer Bedeutung für die Darstellung Deutschlands"? Das Ampelmännchen? Joschka Fischer? Nein, es ist der Rasen vor dem Berliner Reichstag. Weil er ein nationales Kulturgut ist, darf dort nicht mehr Fußball gespielt werden, entschied vor einiger Zeit das Bezirksamt Mitte. Der Verein Nationalfeld e. V. möchte dieses Verbot nun im Bereich des Heiligen aufheben. Er will dort einen "wahren Fußballtempel" anlegen, in der Mitte der "heilige Rasen", ein Spielfeld in Originalgröße, zusammengefügt aus 5888 quadratischen Grasstücken, die in genauso vielen Stadien der Republik abgestochen werden sollen. An diesem Ort der "nationalen Verständigung" würde buchstäblich zusammenwachsen, was zusammengehört, das Grün vom Gladbacher Bökelberg mit dem des Erzgebirgsstadions in Aue. Die Idee ist zwar ziemlich unverhohlen geklaut bei Hans Haackes Projekt Der Bevölkerung, jenem gigantischen Blumenpott im Inneren des Reichstags, in den jeder Abgeordnete ein Säckchen Heimaterde schütten sollte. Wir wollen für heute aber nur die Platzwahl monieren: Hey, Jungs, warum spielt ihr nicht auf dem Schlossplatz!? Der ist so wüst, leer, deutsch - da ist man zurzeit für jede Idee dankbar.