Die König-Fahd-Akademie in Bonn soll geschlossen werden. Aus gutem Grund. Denn diese Schule hat das Gegenteil von dem bewirkt, was sie versprochen hat: Ein Brücke zwischen Orient und Okzident wollte sie sein, ein Symbol für Integration und Dialog. Sie wollte helfen das "Feindbild" Islam abzubauen. Acht Jahre nach ihrer Gründung steht die vom Hause Saud finanzierte Privatschule im Verdacht, radikal-islamischen Fundamentalismus zu fördern.Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Lehrer hat während einer Predigt in der zur Schule gehörenden Moschee zum Dschihad, zum heiligen Kampf, aufgerufen. Die Schule habe Verbindungen zur islamistischen Terrorszene, vermuten Verfassungsschützer. Sie übe auf Islamisten, die unter Terrorismusverdacht stehen, eine starke Anziehungskraft aus. Viele von ihnen seien in jüngster Zeit nach Bonn gezogen und bewegten sich im Umfeld der Saudi-Schule, darunter auch ein mutmaßlicher Islamist, der in Verbindung mit den Bombenanschlägen auf Bali gebracht wird. Er arbeitet als Videotechniker der Akademie. Die Kritik richtet sich auch gegen den Inhalt des Lehrplans. In den Schulbüchern werden Christen als Lügner diffamiert, und Lehrsätze gepredigt wie: "Wer nicht fünfmal am Tag betet, kommt in die Hölle." Die Akademie wehrt sich gegen die Vorwürfe und hat den Lehrer, der zum Dschihad aufrief, suspendiert. Aber erst in der letzten Minute des von der Bezirksregierung gestellten Ultimatums.Die König-Fahd-Akademie ist als eine sogenannte Ergänzungsschule staatlich anerkannt. In solchen Schulen dürfen eigentlich nur ausländische Schüler unterrichtet werden, die sich vorübergehend in Deutschland aufhalten. Das ist bei der Fahd-Akademie längst nicht mehr der Fall: Fast 200 der 465 Schüler haben die deutsche Staatsbürgerschaft, viele wollen in Deutschland bleiben. Sie brauchen also eine Schule, die integriert, nicht abschottet. In der Bonner Akademie werden die Schüler aber auf ein Abitur nach saudischen Anforderungen vorbereitet. Unterrichtssprache ist Arabisch, Deutsch wird nur eine Stunde pro Woche unterrichtet, islamische Religion zwölf Stunden. Natürlich ist Islamunterricht an sich nicht verwerflich, diese Gewichtung jedoch ist unverhältnismäßig.Vielleicht hätten die Behörden schon bei der Schulgründung etwas genauer hinschauen sollen. Denn Saudi-Arabien propagiert mit seinem Wahhabismus eine extrem konservative Islam-Variante, die jegliche Neuerung ablehnt. Sie ist geprägt von einer Sehnsucht nach dem goldenen Zeitalter des Ur-Islam. Zwar darf man den Wahhabismus nicht mit radikalem Islamismus gleichsetzen, aber Vorbild für manche radikale Strömung war er doch. Die Mehrheit der Muslime lehnt diesen Rigorismus ab. Aber Saudi-Arabien schmiert weltweit mit seinen Petrodollars islamische Bildungseinrichtungen und versucht so, seine rigide Lesart des Islam zu verbreiten.Lange Zeit war in Deutschland der Dialog mit den Muslimen geprägt von falsch verstandener Toleranz. Ging es um die Wahl der Gesprächspartner war man allzu arg- und oft auch ahnungslos. Diese blauäugige "Friede, Freude-Inschallah"-Einstellung ist nicht angebracht.Toleranz sollte keine Einbahnstraße sein. Man gibt ja nicht die eigene Tradition der Offenheit auf, wenn man sie bei anderen einfordert. Was wir hier brauchen, sind keine wahhabitischen Lernzentren, sondern ist ein islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache, als reguläres Schulfach. Wo klar ist, wer was wie unterrichtet. Ein Fach, das wirklich der Integration dient. Auch die Mehrheit der muslimischen Eltern will ihre Kinder nicht in rückwärtsgewandten Koranschulen ausbilden lassen. Modellversuche in Sachen deutschsprachiger Islamunterricht laufen derzeit beispielsweise in Bayern und in Niedersachsen. Die Initiative für einen einheitlichen islamischen Religionsunterricht muss dabei von den deutschen Behörden ausgehen. Man kann sich nicht - wie es jahrelang der Fall war - für nicht zuständig erklären und dann hinterher jammern, wenn junge Muslime in den Hinterhöfen mancher Moscheen auf radikal-islamische Parolen eingeschworen werden.Die König-Fahd-Akademie sollte solange geschlossen bleiben, bis Lehrplan und Lehrkräfte überprüft sind. Aber es muss unmissverständlich klar werden, dass sich die Schließung der Schule nicht gegen den Islam als solchen richtet. Es geht nicht darum, Muslime aus Deutschland auszugrenzen. Nur müssen diejenigen in die Schranken gewiesen werden, die eine Spielart des Islam propagieren, die mit einer Demokratie schlecht zu vereinbaren ist. Auch wenn sie aus einem Land kommen, das mehr Erdöl als jedes andere hat.