Trotz der großen Proteste im Vorfeld des Irak-Krieges und der Umweltkatastrophe durch den Öl-Tanker "Prestige" hat die konservative Volkspartei (Partido Popular, PP) von Ministerpräsident Aznar die Regionalwahlen im Großraum Madrid am vergangenen Sonntag gewonnen. Mit 48,5% der Stimmen (4,4 Millionen Wähler, 64% Wahlbeteiligung) erlangte die PP unter der Leitung von Esperanza Aguirre die absolute Mehrheit. Die Konservativen haben 57 der 111 Sitze erhalten. Esperanza Aguirre wird die erste Frau sein, die dem Regionalparlament vorsteht.Fünf Monate nach ihrer Wahlniederlage hat die rechte Partei ihre madrilenische Bastion wiedererobert. Im Mai 2003 hatte die sozialistische Partei (Partido Socialista Obrero Español, PSOE) zusammen mit ihren kommunistischen Verbündeten der IU (Izquierda Unita) die Regionalwahl knapp gewonnen. Zwei PSOE-Abgeordnete hatten sich jedoch im letzten Moment geweigert für den Chef der madrilenischen Sozialisten zu stimmen. Das Parlament war praktisch handlungsunfähig. Neuwahlen wurden ausgerufen.Der Sieg der PP in Madrid spiegelt das Selbstverständnis der spanischen Rechten wider, die die stärkste konservative Kraft in Europa stellt. Obwohl sich die PP als eine Partei der Mitte bezeichnet, verkörpert die Volkspartei eine neo-liberale Rechte, USA-treu, katholisch und frei von Selbstzweifeln. Ihr Erfolg beruht vor allem auf den vergleichsweise guten wirtschaftlichen Ergebnissen. Darüber hinaus konnte die PP auch rechtsextreme Stimmen absorbieren. Und der Irak-Krieg scheint jetzt positive Folgen für Jose Maria Aznar zu haben: Zwei Tage vor der Wahl hatte der spanische Ministerpräsident die Geberkonferenz für Irak eröffnet, begleitet von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und US-Außerminister Colin Powell. Im Zentrum des internationalen medienpolitischen Geschehens konnte Spanien sich als Weltmacht präsentieren.Für Mariano Rajoy, dem im September neu gewählten Chef der Volkspartei, ist dieser Sieg ein gutes Vorzeichen. Der Nachfolger von Aznar wird in fünf Monaten die PP zu den landesweiten Parlamentswahlen führen. Die jüngsten Ergebnisse und das schlechte Abschneiden der Sozialisten lassen ihn hoffen, in die Fußstapfen seines Vorbildes Aznar zu treten.Die sozialistische Partei befindet sich in einer tiefen Krise. Das Problem für den Generalsekretär José Luis Zapatero besteht darin, dass er bislang der Vorherrschaft der PP keine Alternative entgegen setzen konnte. Nun muss er hoffen, dass die Sozialisten die Regionalwahlen von Katalonien am 16. November gewinnen. Gegen die Nationalisten des seit über 20 Jahren regierenden Jordi Pujol wird das schwer werden.