Gestreifte Mitglieder der Familie Sciuridae sind bei den Menschen gemeinhin wohl gelitten. Im Winter pflegen zahme Streifenhörnchen Nüsse und Eicheln in Manteltaschen zu verstecken, und auch anderweitig erfreuen sie ihre Besitzer mit putzigem Schabernack. Doch die Gemeinschaft mit Menschen birgt für die Nager zahlreiche Gefahren. Sie krabbeln durch Kassetteneinschübe ins Innere von Videorecordern, knabbern Stromleitungen durch, fallen in Toilettenschüsseln oder werden bei ihrer Klettertour aufs Bücherregal von herabstürzenden Lyrikbändchen erschlagen.

Immerhin, seit vergangener Woche haben Streifenhörnchen einen Feind weniger - und zwar die Sportfirma adidas. Diese hat schon fast jeden vor den Kadi gezerrt, der gestreift herumlief. Zuletzt traf es einen Konkurrenten, der zwei Streifen auf die Ärmel seiner Kleidung nähen ließ. Die Richter des Europäischen Gerichtshofs urteilten freilich in dessen Sinne: Adidas ist die Marke mit den drei Streifen, andere Streifen sind Allgemeingut.

In dubio pro Streifenhörnchen. Dank des Grundsatzurteils müssen auch andere nicht mehr fürchten, von adidas verklagt zu werden. Zebrastreifen zum Beispiel, das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung oder Polizeistreifen. Und das ist doch auch etwas. Oder?