Gemäß meiner Theorie, dass das Auto erfunden wurde, damit man neben Weinkartons auch noch ein paar andere Dinge wie Menschen und Katzen darin transportieren kann, bin ich in den letzten fünf Jahren mit einem Kombi der Mercedes E-Klasse durch die Länder gefahren, einem E 430 T. Dieser Typ und seine schwächeren Brüder sind nun durch eine neue Modellreihe abgelöst worden. Der vergleichbare E 500 T stand noch nicht zur Verfügung, also probierte ich den E 320 T.

Dieser neue Kombi hat sechs Zylinder, was mich nicht weiter beunruhigte. Heißt es doch, dass die Motoren einer dauernden Weiterentwicklung unterliegen, also müssten die sechs Zylinder inzwischen dort angekommen sein, wo meine acht vor fünf Jahren waren. Jedenfalls hat die E-Klasse Komfort, was sich nicht zuletzt am Preis bemerkbar macht: Nach Stuttgarter Tradition birgt die Zubehörliste den Schrecken einer Steuererklärung; nur ein Korkenzieher fehlt darauf. Serienmäßig sind lediglich die unsäglichen cup holders, die in den USA für eine Klientel erfunden wurden, welche keine Fahrt ohne ein Sixpack Cola-Dosen antritt. Eines Tages werden sie den Maybach mit täglich frischer Bild- Zeitung anbieten.

Es ist jedes Mal eine kleine Sensation, wenn man sich in ein fast fabrikneues Auto setzt. Da riecht es nicht nach Buttermilch, sondern nach feinem Leder (2540,40 Euro Aufpreis), die Sitze sind straff, Klappen öffnen sich, wo man nie eine Klappe vermuten würde, und die Armaturen sind nicht vom Lenkrad verdeckt, weil sie anders als gewohnt angeordnet sind. Und trotzdem ist alles wie gewohnt, Mercedes ist nun mal Mercedes. Sehr beruhigend.

Ich habe gelesen, dass die Kombis der E-Klasse heute ein Statussymbol sind, leider habe ich vergessen, warum. Gilt es endlich als schick, Weinkartons durch die Länder zu befördern?

Ein erster Rund- und Einblick sagt mir, dass meine Idealvorstellung von einem luxuriösen Transporter immer noch nicht realisiert worden ist. Was bei Cabriolets schon fast normal ist, nämlich das Öffnen oder Schließen des Verdecks per Knopfdruck, hat bei der Verwandlung des Fünfsitzers in einen Kombi noch keine technische Entsprechung. Immer noch muss ich um die Kiste herum rennen und zuerst den einen, dann den anderen Rücksitz mit der Hand umlegen, was im Regen nicht so luxuriös ist. Diese Operation ist durch zusätzliche Hebel und Schlaufen sogar komplizierter geworden.

Wie nun unterscheidet sich das neue Modell äußerlich vom alten? Bei flüchtigem Blick wenig. Das Heck ist etwas niedriger und runder geworden und nun kaum vom Kombi der C-Klasse zu unterscheiden. Dass die Lampen pfiffiger aussehen, verdanken sie wohl ihrer aufpreispflichtigen Fähigkeit, in Kurven um die Ecke zu leuchten (1566 Euro). Innen fallen wohlgeformte und ebenfalls aufpreisträchtige Stangen auf, die Gepäckstücke davor bewahren, durch das Auto zu fliegen, wenn der Fahrer die Kurvenstabilität ausprobiert. Die ist hervorragend, war es auch beim Vorgänger. Man muss schon einen rüden Powerslide versuchen, damit die ESP-Lampe aufleuchtet. Neu sind die im Unterboden versteckten Ablagefächer. Es gab zwar auch schon welche in meinem alten Modell, aber jetzt sind sie größer und rätselhaft unterteilt, sodass man dort vieles verstauen kann, was man während der Fahrt nicht braucht (weil dann das Gepäck auf den Bodenklappen steht).

Glücklicherweise betreffen die meisten Neuerungen den Gepäckteil, der bisher für manchen Frust sorgte. Für einen Luxus-Kombi war es sogar eine Zumutung wegen der schlabberigen Abdeckplane, mit der der Inhalt des Kofferraums beziehungsweise der Ladefläche vor den Blicken der Ganoven geschützt wird. Sie rollte sich nur unwillig auf, weil sie durch hintere Anschnallgurte in Falten gequetscht wurde. Ja, hinten im eigentlichen Kofferraum konnten noch zwei Menschen sitzen und sich anschnallen, was vermutlich als eine Demonstration der Kofferraumgröße gedacht war. Denn der ist so riesig, dass ich die Transportfläche nur selten erweitern musste. All das ist geblieben, nur eben anders geworden, nicht unbedingt besser. Wer nicht gern zum Verstauen in den Kofferraum kriecht, kann sich diese mühsame Übung ersparen, indem er für zusätzliche 904,80 Euro den Laderaumboden automatisch herausfahren lässt. Die Stangen des Easy-Pack-Systems kosten 104,40 Euro, doch diesen Bequemlichkeiten ist der Sechs-CD-Wechsler zum Opfer gefallen, welcher bisher hinter der Wandverkleidung steckte.

Die meisten Neuerungen betreffen das Armaturenbrett mit dem Reiserechner, dem Navigationssystem und den Ablagefächern, die ebenfalls nicht unbedingt besser sind als vordem. Das Armaturenbrett wölbt sich aufdringlich dem Fahrer entgegen, ohne dass der es als Vorteil empfände. Dieser ist auch bei der Vermehrung der Scheibenwischer von bisher einem auf zwei unklar. Doch das Lenkrad ist kleiner geworden, und das ist eindeutig ein Vorteil.