Jetzt sind sie mit ihren Preisen schon so weit runtergegangen, dass eine elektrische Stichsäge keine 11 Euro mehr kostet und ein Winterreifen fürs Auto weniger als 18. Seit Wochen liefern sich die beiden Baumärkte Hornbach und Praktiker einen bizarren Streit um die Frage, wer denn nun der Billigste sei unter den Billigen im Lande. Öffentlich prangert der eine "Preislüge oder Irrtum?" an, der andere klagt über die "irreführenden Praktiken von Praktiker".

Zwischen Hornbach und Praktiker herrsche mittlerweile "ein regelrechter Preiskrieg", sagt John Herbert, Geschäftsführer des Branchenverbands BHB. Das hat auch mit einer in Europa einmaligen Situation zu tun. Nirgendwo sonst ist das Angebot an Hobeln, Buchenbrettern und Winkelschleifern so groß wie in Deutschland. "Pro Einwohner gibt es doppelt so viel Baumarktfläche wie beispielsweise in England", sagt Herbert. Mehrere Dutzend Ketten streiten sich hierzulande um Kunden. Für die lohnt sich der aggressive Wettbewerb – sie laden ihre Einkaufswagen immer voller, bezahlen aber immer weniger. Rechnerisch lässt ein Baumarktkunde heute pro Besuch 25 Euro im Laden, vor einem Jahr waren es drei Euro mehr.

Der Preiskampf der beiden Bretterbuden begann in der letzten Septemberwoche: Praktiker verkündete, den größten Teil seines Sortiments um 20 Prozent günstiger zu verkaufen. Kurz darauf stoppte das Landgericht Hamburg das Vorhaben – pauschale Preisnachlässe über das ganze Sortiment sind noch bis zum Jahreswechsel gesetzlich verboten. Also taufte Praktiker die Aktion kurzerhand um, sprach auf einmal nicht mehr von Rabatten, sondern gewährte einen "Einkaufsvorteil von 20 Prozent" für alle Kunden, die mehr als 50 Euro ausgeben.

Anfang Oktober reagierte Hornbach mit einer üppigen Anzeige in der Boulevardpresse: "Endlich ist einer fast so günstig wie wir" – und wies Praktiker darauf hin, das man selbst keine Preisnachlässe nötig habe, weil man ohnehin viel billiger sei. Ätsch!

Der Konkurrent antwortete ein paar Tage später an gleicher Stelle. Vorstandschef Steffen Hornbach musste sich öffentlich fragen lassen: "Lieber Herr Hornbach, haben Sie das nötig?" Bei 191 von 201 Artikeln sei man billiger als Hornbach, das habe ein Preisvergleich ergeben. Praktiker riet: "Vertrauen Sie denen, die rechnen können", und versprach Hornbach-Angestellten einen Extra-Rabatt von 20 Prozent, wenn sie an der Kasse ihren Mitarbeiterausweis vorlegen und folgenden Spruch aufsagen: "Ich arbeite gerne bei Hornbach, kaufe aber lieber und günstiger bei Praktiker." Noch am selben Tag hätten "mehr als hundert Hornbach-Mitarbeiter" die Filialen gestürmt und sich dort eingedeckt, behauptet ein Sprecher von Praktiker.

Hornbach gab seinerseits bekannt, sein Vorstandschef fühle sich durch die öffentliche Retourkutsche "persönlich beleidigt", wolle aber "keinen Schlagabtausch auf diesem Niveau". Nun klären die Anwälte, ob man juristisch gegen den ungeliebten Konkurrenten vorgeht.

Praktiker und Hornbach sind – gemessen an ihrem Umsatz – die Nummern zwei und vier in der deutschen Baumarkt-Branche, die im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 21 Milliarden Euro umgesetzt hat. Im ersten Halbjahr 2003 hat sich der Branchenumsatz etwas verbessert, er soll aber im Juli, August und September wieder eingebrochen sein. Für die gesamte zweite Jahreshälfte erwartet BHB-Geschäftsführer Herbert "bloß noch Stagnation".

Billigstrategien à la Hornbach und Praktiker rechnen sich für Unternehmen nur, wenn es ihnen gelingt, permanent neue Kunden in ihre Märkte zu locken. Aber selbst dann führen Rabatte oftmals bloß dazu, dass lediglich die Umsätze steigen – nicht aber die Erträge. Schon heute liegt die durchschnittliche Umsatzrendite deutscher Baumärkte bestenfalls bei drei Prozent, im ähnlich heimwerkerbegeisterten England sind es mehr als sieben.