Ihre Kritik des Films Das Wunder von Bern hat mich verärgert. Der Film hat mich begeistert. Er war für mich keine romantisierende Vergangenheitsbewältigung oder Kriegswiedergutmachung. Vielleicht weil ich, 1978 geboren, vom Deutschland der fünfziger Jahre weit entfernt bin.

Und so genieße ich diesen "heiteren Bilderbogen" mit ausgesuchten Accessoires, die ich heute noch in den Wohnzimmerschränken meiner Großeltern entdecke: mit einem dem Leben entrückten Spätheimkehrer, der die Russen keineswegs als Aggressoren betrachtet, und einem vom Kommunismus faszinierten Jugendlichen, der sich ausgezeichnet in die aktuelle Ostalgiewelle einpassen würde.

Als selbstständig denkender Mensch weiß ich mit pathetischen und verklärenden Bildern durchaus umzugehen. So denke ich bei dem "Wunder von Bern" nicht an einen "Endsieg" als Wiedergutmachung für verlorene Kriege. Stattdessen an ein Volk, das orientierungs- und hoffnungslos vor den von ihm selbst zu verantwortenden Trümmern steht. Wie ist es, in dieser Situation eine Weltmeisterschaft zu gewinnen? Und zu sehen, dass das Volk, die "Mannschaft", noch da ist, sie noch etwas zuwege bringt?

Ich freue mich über diese wunderschöne Geschichte, die anhand der gewonnenen Weltmeisterschaft die Macht der Symbole und die Kraft von Ereignissen beschwört, die ein ganzes Volk hat anpacken lassen.

Mir kommt dieses verfilmte Meisterstück gerade recht. Es motiviert mich noch mehr, nach meinem Diplom im Frühjahr auch "so richtig anzupacken", dieses Land ist für mich und meine Generation schließlich kein wohlstandsverweichlichter Dauernotfall. Gewannen nicht gerade unsere Frauen zum ersten Male die Fußballweltmeisterschaft? Soll das etwa ein Zufall sein?

Daniel Boedecker, Hamburg

Seit einiger Zeit ist in Deutschland zu bemerken, dass die Entwicklung dahin geht, der Deutsche war Opfer und nicht Täter im Zweiten Weltkrieg. Eine internationale Studie, die in London veröffentlicht wurde, bestätigt dies.