Es ist still geworden um das Partyhemd. Ja, man muss sogar fürchten, dass manche es als ein solches nicht einmal mehr dann erkennen, wenn sie zufällig eines tragen, es aber irrtümlich im Hosenbund festgesteckt haben. Denn das Partyhemd kam, darin dem Hawaiihemd verwandt, erst dann ganz zu sich selbst, wenn es frei flatternd um die Hüften wehte. Das Partyhemd war das Dinnerjackett der achtziger Jahre und also gerade kein Hemd im engeren Sinne, sondern eher ein Sakko, das schließlich auch von niemandem in die Hose gesteckt wird, jedenfalls von niemandem, der ordnungsgemäßen Gebrauch von seinem Sakko macht. Ohne das sakkospezifische Flattern oder besser gesagt: freie Herabhängen wird daher die sichere Identifikation eines Partyhemdes sehr erschwert; es sei denn, jemand verfügte noch über die Kenntnis von Mustern und Schnitten der achtziger Jahre, die heutzutage längst aus den Lehrplänen der Schulen gestrichen sind, weshalb sich kein Politiker wundern sollte, wenn es um das Ansehen der Deutschen im Ausland nicht zum Besten steht.

Stark überschnittene Schultern, wilde Farben und verdeckte Knopfleisten sind nämlich andernorts auf der Welt noch im Bewusstsein der Völker, während die Deutschen schon denken, auf der sicheren Seite zu sein, weil an ihnen nichts mehr herabhängt. Das ist ein Irrtum. Das Feststecken im Gürtel allein befreit das Partyhemd noch nicht von seinem Partycharakter, weil umgekehrt das Herabhängen der Hemden damals nur ein hinreichender, nicht jedoch notwendiger Hinweis auf eine Party war. Es hängen ja auch die Kulihemden der malaysischen Bauarbeiter lose herab; aber nicht weil sie feiern, sondern weil sie schwitzen! Das hat die deutsche Taktlosigkeit schon in den Achtzigern übersehen, dass ihre Partymode eine Verspottung der Leidenden und Ausgebeuteten der Dritten Welt enthielt.

Die Deutschen haben in Kleidungsstücken gefeiert, in denen andere ihre Haut zu Markte tragen. Und das soll alles vergessen sein, nur weil das Hemd heute im Gürtel steckt? Die Muster und Schnitte aber sind geblieben oder, schlimmer noch: wiedergekehrt, in die sich das Leiden der Völker eingeschrieben hat. Nur wir freilich können es nicht mehr lesen, denn auch das Lesen wird im Schulunterricht nicht mehr gelehrt. Es gibt nur noch zwei Dinge, wie schon Gottfried Benn orakelt hat: die Party und das gezeichnete Hemd. Andersherum gesagt: Wir können nur noch feststecken, was nicht mehr zu halten ist. Finis