Eine Baisse an der Börse einfach auszusitzen – das kommt für betagte Anleger nicht infrage. Schließlich wird die Zeit für den geruhsamen Lebensabend irgendwann knapp. Gerade deswegen haben Senioren besondere Ansprüche in Sachen Vermögensberatung – sie interessieren sich stärker für sichere Rendite und nicht für riskante Geschäfte an den Wertpapierbörsen.

Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei der Finanzplanung oft auseinander. Viele kümmern sich zu spät um Vermögensumschichtung und Testament oder erkennen, dass sie ihre Altersvorsorge besser anders organisiert hätten. Stattdessen haben sie wahllos Immobilienanlagen, Sparbriefe, Kunstgegenstände oder Fondsbeteiligungen im Laufe ihres Lebens angesammelt. Fehlt der Durchblick, kann der Lebensabend zur Finanzfalle werden.

"Die Alten Hasen" kennen das Problem. Die Finanzberater aus Frankfurt sind alle über 55 Jahre alt und kümmern sich vor allem um Senioren. In allen Angelegenheiten rund ums Geld beraten sie alte Menschen – unabhängig, aber gegen Bezahlung. "Bereits ab 50 empfiehlt es sich, über die Finanzsituation nach Ende des Berufslebens nachzudenken", sagt Althase Joachim Schwer, der 16 Jahre lang als Bankdirektor gearbeitet hat. Die häufigsten Probleme im Alter sind oft eine zu große Wohnung, aus der die Kinder längst ausgezogen sind, die geringe Rente sowie der fehlende Überblick über die Finanzen oder das Testament.

Mit zunehmendem Alter ändern sich die Anforderungen an die eigenen vier Wände. Klein, günstig und zentral gelegen sollen sie sein. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Senioren schrecken vor Umzügen zurück und bleiben lieber in in ihrer alten Wohnung – obwohl ihr Budget das nicht zulässt oder sie mit der Hausarbeit Mühe haben. Der Hauptgrund: Sie verbinden mit ihrem Heim viele Erinnerungen oder wollen es den Kindern vererben. Statt bei der Miete sparen sie lieber bei Essen und Urlaub, die Lebensqualität bleibt auf der Strecke. Sinnvolle Alternativen sind der Wechsel in ein kleines Apartment oder ins betreute Wohnen.

Außerdem rutscht das Konto schnell in die roten Zahlen, wenn die Ausgaben nach dem Berufsleben unverändert bleiben – schließlich hat der Rentner in der Regel weniger Einkommen. Dagegen hilft, das Budget sinnvoll aufzuteilen. Eine genaue Planung im Voraus erleichtert den Start in den Ruhestand zusätzlich.

Nach besonderen Kriterien funktioniert die Geldanlage bei Senioren. Sehr riskante Geschäfte eignen sich für alte Menschen grundsätzlich nicht. "Eine Schiffsbeteiligung für einen 60-Jährigen ist in aller Regel unvernünftig", sagt Schwer. Steueroptimierte Produkte seien für Senioren sinnlos, da nur die wenigsten von ihnen viele Steuern zahlten. Wer zum Beispiel seine Fondsbeteiligungen über diverse Kredite finanziert hat, um Steuern zu sparen, sollte im Alter über einen Verkauf nachdenken. Und immobile Anlagen wie etwa das Eigenheim bringen häufig zu geringe Erträge, um den früheren Lebensstandard zu halten. "Gerade Senioren müssen darauf achten, kurzfristig liquide zu sein", sagt Schwer. Schnell könnten Krankheit oder Unfall im Alter hohe Kosten verursachen.

Als Richtschnur für das Wertpapierdepot gilt: Der maximale Anteil an Aktien sollte einen Wert von "100 Prozent minus Alter des Anlegers" nicht überschreiten. Danach legt ein 50-Jähriger höchstens die Hälfte seines Kapitals in Aktien an, ein 60-Jähriger höchstens 40 Prozent.

Auch bei der Lebensversicherung lauert eine Gefahr. Wird sie im Rentenalter ausgezahlt, ist die Freude meist groß und die Vorsicht gering. "Viele Senioren sind überfordert und wissen auf Anhieb nicht, wohin mit dem Geld – während die Bank auf eine schnelle Entscheidung drängt", erzählt Schwer. Doch das Vermögen sollte mit Bedacht investiert werden.