Was ist Geld? Das weiß doch jedes Kind. Ein Blick ins Portemonnaie, auf den Bankauszug oder die Gehaltsabrechnung reicht. Doch so einfach ist die Sache nicht. Seit es Ökonomen gibt, gibt es keine umstrittenere Frage. Bis heute ist das Rätsel Geld ungelöst. Die ZEIT hat sechs Wissenschaftler unterschiedlicher Theorieschulen befragt – ihre Antworten stehen auf den folgenden Seiten. Dabei mussten drei Fragen beantwortet werden:

1. Was ist Geld? Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit – das ist das, was jeder Student der Volkswirtschaft im ersten Semester lernt. Aber was hat die Menschen eigentlich überhaupt dazu gebracht, wertvolle Güter gegen bunt bedrucktes Papier einzutauschen? Die Mehrzahl der Ökonomen weicht dieser Frage aus. Geld ist da oder wird von der Zentralbank ausgegeben. Basta. Andere dagegen glauben, Geld entstehe erst durch Verschuldung und Belastung von Eigentum. Wieder andere sehen darin ein Gut, das der Wettbewerbsprozess selbst hervorgebracht habe.

2. Ist Geld neutral? Das war die dominierende Frage der Wirtschaftswissenschaften im 20. Jahrhundert. Für die klassischen Ökonomen im vorangegangenen Jahrhundert stand noch unverrückbar fest, Geld an sich übe keinerlei Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen der Menschen aus. Es sei nur ein Schleier, der das Wesentliche verdecke, nämlich die Produktion von Gütern und deren Tausch auf Märkten. Es wurde deshalb als neutral bezeichnet. Ende des 19. Jahrhunderts allerdings säte der schwedische Wirtschaftswissenschaftler Knut Wicksell Zweifel an dieser Theorie. Er war einer der Ersten, die einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Geldzinsen und dem Verlauf der Konjunktur nachwiesen. Es dauerte allerdings noch vier Jahrzehnte, bis John Maynard Keynes mit seiner General Theory im Jahr 1936 die Mehrzahl der Ökonomen davon überzeugte, dass es nicht wirklich eine Trennung zwischen Realwirtschaft und Geld gibt. Die Neutralität galt nicht mehr. Bis Milton Friedman 1956 die monetaristische Konterrevolution einleitete: Er behauptete, Geld übe allenfalls kurzfristig Einfluss auf die Realwirtschaft aus, langfristig gelte jedoch weiterhin die Neutralität.

3. Was bestimmt den Zins? Sei es im Kreditgeschäft, beim Sparen oder beim Diskontieren: Überall taucht er auf, der Zins. Aber wer oder was bestimmt ihn? Die Notenbanken mit ihrer Zinspolitik, die Sparer mit ihrem Angebot an Kapital oder die Menschen mit ihrer Vorliebe für Bargeld, zumal in unsicheren Zeiten?

Für die klassischen Ökonomen war der entscheidende Zins immer ein Knappheitspreis, der Kapitalangebot und Kapitalnachfrage ins Gleichgewicht bringt. Nach dieser Theorie könnten Notenbanken nichts ausrichten. Diese Sicht wird von den Keynesianer verworfen: Danach hängt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen von den erwarteten Erträgen ab, und hier spielt der Geldzins eine ganz entscheidende Rolle.

Uwe Richter/Robert v. Heusinger