1. Die beste aller Definitionen von Geld findet man bei Kurt Tucholsky in seinem berühmten Kurzen Abriss der Nationalökonomie:

"Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch Notverordnungen aufgehoben werden. Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehen. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre 1 nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum. Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. ‚Geld‘. Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da, bzw. nicht da – meist nicht da."

2. Was geschieht, fragte sich Milton Friedman, der Vater des Monetarismus, wenn man mit Hubschraubern Geld über das Land verteilt, sodass sich die Geldmenge in kurzer Zeit verdoppelt? Die Antwort liegt auf der Hand: Das zusätzliche Geld wird zwar schnell ausgegeben, und das Preisniveau verdoppelt sich, doch Produktion und Beschäftigung erhöhen sich dadurch nicht. Also ist klar bewiesen: Geld ist neutral.

Nun kommt es aber in der Realität selten dazu, dass die Notenbanken Geld aus der Luft unter das Volk bringen. Anders als von Friedman und von vielen seiner Anhänger angenommen, steuern die meisten Zentralbanken die Wirtschaft nicht über die Geldmenge, sondern über die Zinsen, zu denen sich die Banken bei ihnen verschulden können. Hier zeigt die Erfahrung, dass die Geldpolitik keinesfalls neutral in Bezug auf die Realwirtschaft ist. Die enorme Dynamik der amerikanischen Wirtschaft in den neunziger Jahren ist darauf zurückzuführen, dass Alan Greenspan die Notenbankzinsen sehr niedrig gehalten hatte. Umgekehrt hat die wirtschaftliche Dynamik in Europa in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts massiv unter der Hochzinspolitik der Bundesbank gelitten.

3. Die kurzfristigen Zinsen können sehr gut durch die Instrumente der Notenbanken gesteuert werden. Sie wirken vor allem über die Bilanzen von Banken und Unternehmen. Zur Natur des Bankgeschäftes gehört es, dass die von den Geldhäusern vergebenen Kredite eine längere Laufzeit aufweisen als die Einlagen der Sparer. Indem Greenspan die kurzfristigen Zinsen kräftig gesenkt hat, konnte er so die Ertragslage der amerikanischen Banken verbessern. Bei den Unternehmen ergibt sich der Einfluss der kurzfristigen Zinsen aus der Tatsache, dass sie in der Regel eine hohe Fremdkapitalquote aufweisen. In Deutschland etwa machen die Verbindlichkeiten im Schnitt gut 80 Prozent, das Eigenkapital dagegen weniger als 20 Prozent der Bilanz aus. Da ein großer Teil der Verbindlichkeiten kurzfristiger Natur ist, hat auch hier ein Rückgang der kurzfristigen Zinsen einen positiven Einfluss auf die Ertragslage. Die längerfristigen Zinsen lassen sich geldpolitisch nicht so gut steuern, da sie stark von den Inflationserwartungen beeinflusst werden. Sie sind vor allem für längerfristige Investitionsentscheidungen von Bedeutung.