1. Geld ist eine Übereinkunft in einer Gemeinschaft, etwas als Tauschmittel zu verwenden. Diese "Vereinbarung" kann bewusst sein, sehr viel öfter aber ist sie unbewusst. Die "Gemeinschaft" kann ein Land oder ein Kontinent (Euro) sein, es kann die Nachbarschaft (mit einer Tauschkreis-Währung) oder aber die ganze Welt sein (wie bei Bretton Woods, dem Festwechselkurssystem nach dem Zweiten Weltkrieg). Es können aber auch Teilnehmer gemeinnütziger Projekte (wie zum Beispiel Altersfürsorgeprojekte in Japan) oder Benutzer einer Fluglinie (geschäftliche Vielfliegereinheiten) sein.

2. Das herrschende Währungssystem ist nicht neutral. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens, der Geldschöpfungsprozess verläuft prozyklisch. 95 Prozent des Geldes kommt durch Bankkredite in Umlauf. Und Banken folgen dem Herdentrieb. So werden sie in florierenden Wirtschaftsphasen zu übertrieben freudigen Kreditgebern, was zu einem Boom führt. Geht es dagegen mit der Wirtschaft bergab, werden dieselben Banken übermäßig restriktiv. Dann verschlimmert ihr Verhalten die schwierige wirtschaftliche Situation.

Zweitens ist Geld nicht neutral, weil es gesellschaftlichen Reichtum konzentriert. Das ist eine Nebenwirkung der Zinsen. Zinsen verlagern Mittel von armen Menschen, die sich Geld leihen, weil sie keines haben, hin zu den Reichen, die es besitzen. Und drittens beeinflusst Geld alle finanziellen Entscheidungen in Richtung auf ein kurzfristiges Denken. Wegen der Zinsen ist Geld in der Zukunft immer weniger wert als heute, auch bei einer absolut inflationssicheren Währung. Auf diese Weise unterstützt unser Geld den Hang zu kurzfristigen Entscheidungen. Fast alle Kathedralen wurden zu Zeiten gebaut, in denen es kein Zinssystem gab. Sie wurden für die Ewigkeit gebaut. Was wird von heutigen Bauten in 1000 Jahren übrig sein?

3. Zinsen spielen in unserem herkömmlichen Währungssystem eine entscheidende Rolle. Dabei sind Zinsen kein notwendiger Bestandteil von Geld. Schafft man sie ab, braucht man weder Banken noch Zentralbanken. In der Geschichte gab es viele Fälle von offiziellen Währungen ohne Zinsen. So waren Zinsen bei Juden, Christen und Muslimen jahrhundertelang verboten. Die katholische Kirche sah Zinsen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr als Wucher an. Und sogar heute noch arbeiten die meisten Komplementärwährungen – zum Beispiel Tauschhandelskredite und Vielfliegermeilen – ohne Zinsen und ihre schädlichen Nebeneffekte. Dies ist einer der Gründe, warum gut strukturierte zinsfreie Komplementärwährungen eine wichtige Rolle bei der Lösung sozialer Probleme in künftigen Gesellschaften spielen können.