1. Geld ist das dominierende Tauschmedium des modernen Wirtschaftens und damit eine bedeutende Grundlage des Wohlstands. Seine Erfindung hat es den Menschen ermöglicht, sich von den Fesseln des Naturaltauschs zu befreien. Mit der Verständigung auf ein allgemeines Tauschmittel wurden die Transaktionskosten des Tausches, vor allem die hohen Suchkosten, enorm gesenkt. Ohne Geld gäbe es nicht die differenzierte Arbeitsteilung, das System der Finanzmärkte, die elegante Verteilung der Risiken des Wirtschaftens.

Die Produktivität des Geldes ist eng verknüpft mit dem Informationsgehalt der Preise. Wenn ein einzelner Geldpreis steigt, signalisiert das den Anbietern des betreffenden Gutes eine Verknappung, sprich: eine höhere Nachfrage der Verbraucher oder ein geringeres Angebot durch das Ausscheiden von Wettbewerbern. Darauf werden die Hersteller im Gewinninteresse reagieren und ihre Produktion ausweiten. Diese Informationsfunktion des Preissystems leidet, wenn Preisveränderungen nicht allein von Veränderungen der relativen Knappheiten der jeweiligen Güter verursacht werden, sondern zusätzlich von der Expansion der Geldmenge. Letztere wirkt auf sämtliche Preise ein und wird Inflation genannt. Inflation führt zu Fehleinschätzungen der Knappheitslagen und folglich zu Fehlinvestitionen bei Anbietern und Fehldispositionen bei Nachfragern. Deshalb muss die Geldpolitik auf das Ziel der Preisstabilität ausgerichtet werden und transparent sein.

2. Das Faszinierende und zugleich Gefährliche ist, dass Geld nicht neutral ist. Es ist also kein harmloser Schleier, der über der Realwirtschaft liegt, aber sie nicht verändert. In der Geldtheorie wird zwar ein Zustand klassischer Neutralität des Geldes definiert. Das dient dem Theoretiker als ein analytischer Bezugspunkt, aber er käme nicht auf die Idee, ein solcher Zustand könnte existieren. Schon die Emission neuen Geldes ist nicht neutral, weil der private Sektor dem Staat im Austausch Aktiva abtreten muss. Da die Kosten der Geldproduktion nur einen Bruchteil des Nennwertes betragen, ist das Drucken von Geld sehr lukrativ. Das hat Regierungen überall auf der Welt immer wieder dazu verführt, ihr Monopol der Geldschöpfung zu missbrauchen, um ihrer ewigen Finanzierungsnöte Herr zu werden. So kam und kommt es zu Inflationen, die den Staat ent- und die Bürger belasten.

3. Anfangs ging es immer um Zinssenkung. Tatsächlich kann die Zentralbank durch eine Verringerung ihres Refinanzierungssatzes erreichen, dass auch die Zinssätze an den Bankkreditmärkten nachgeben. Aber diese Form fehlender Neutralität des Geldes ist flüchtiger Natur. Wenn die Politik billigen Geldes anhält, kommt es bald zu steigenden Inflationserwartungen. Sie treiben die Zinssätze für längerfristige Kredite wieder hinauf. Am Ende liegen die Zinsen sogar höher als am Anfang. Das für die Investitionstätigkeit wichtige reale Zinsniveau lässt sich nicht von der Geldpolitik, sondern nur vom Sparverhalten dauerhaft beeinflussen.