Die Free-Banking-Schule fordert freien Marktzutritt zur Geldproduktion. Nicht nur die staatliche Notenbank, sondern auch private Unternehmen sollen Zahlungsmittel einschließlich Banknoten und Münzen anbieten dürfen – ohne gesetzliche Mindestreserveverpflichtungen. Der Staat soll sein gesetzliches Geldbasismonopol aufgeben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass in einem Land tatsächlich mehrere Währungen umlaufen müssen. Darüber entscheiden die Bürger durch die Wahl ihres Zahlungsmittels. Aber schon die Möglichkeit, dass eine inflationierende Staatswährung von privaten Parallelwährungen verdrängt werden könnte, begrenzt den Spielraum der staatlichen Notenbank. Was zählt, ist also nicht unbedingt der tatsächliche, sondern vor allem der potenzielle Wettbewerb.

Wettbewerb kann übrigens auch von ausländischen Staatswährungen ausgehen. Das verringert ebenso die Inflationsneigung. Wenn dieser Wettbewerb heilsam ist, weshalb soll dann nicht Gleiches für den Wettbewerb mit privaten Emittenten gelten?

Laufen in einem Land tatsächlich eine oder mehrere Parallelwährungen um, fallen zusätzliche Informations- und Umtauschkosten an. Das ist ein Nachteil, und deshalb haben es neue Währungen schwer. Aber Geld ist nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel. Für einen Wertmaßstab und für unverzinsliche Wertaufbewahrungsmittel wie Banknoten und Münzen ist es wichtig, dass der Geldwert stabil ist. Deshalb kann es trotz allem attraktiv sein, eine neue Parallelwährung zu verwenden. Die optimale Zahl und Ausdehnung der Währungsräume kann nur durch die freie Entscheidung jedes einzelnen Geldnachfragers gefunden werden.

In der Währungsgeschichte hat es private Parallelwährungen – insbesondere Banknoten – vor allem in Zeiten der Hyperinflation gegeben – auch in der Weimarer Inflation von 1922/23. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Banknoten in den meisten Ländern von privaten Banken ausgegeben – oft ohne staatliche Reservevorschriften. Fast immer verpflichteten sich die Emissionsbanken, den Wert ihrer Banknoten an bestimmte Güter – in der Regel Edelmetalle – zu binden und sie auf Wunsch in diese umzutauschen. Besonders gut funktionierte das in Schottland.

Der Free-Banking-Ansatz ist grundsätzlich mit anderen geldpolitischen Schulen – zum Beispiel einer monetaristischen Geldmengensteuerung oder einer keynesianischen Konjunkturpolitik – vereinbar. Entscheidend ist, dass der Staat auf sein gesetzliches Geldbasismonopol verzichtet. Je mehr die staatliche Notenbank allerdings dem Wettbewerb ausgesetzt ist, desto stärker kann die Nachfrage nach dem Staatsgeld schwanken. Eine einfache Regel für das Wachstum der Zentralbankgeldmenge verspricht bei effektivem Währungswettbewerb keinen Erfolg, und die Möglichkeiten einer keynesianischen Feinsteuerung sind dann noch geringer und unsicherer. Was der Staat und seine Zentralbank verlieren, gewinnt jedoch der Bürger: Er hat mehr Wahlfreiheit und daher stabileres Geld.

* Roland Vaubel lehrt in Mannheim. Er ist Anhänger der Free-Banking-Schule