Die CIA zählt bei nachhaltigen Anlagestrategien in der betrieblichen Altersvorsorge zu den Pionieren. Allerdings ist damit nicht der US-Geheimdienst gemeint, sondern die gleichnamige Pensionskasse für die Lehrer und Verwaltungsbediensteten im schweizerischen Kanton Genf. "Unser Anlagekonzept beruht auf der Notwendigkeit, auch die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen zu berücksichtigen", heißt es in den Statuten der CIA. Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Rüstung, Kernenergie, Glücksspiel, gentechnisch veränderten Agrarprodukten oder Tabak erzielen, sind bei der Kapitalanlage tabu. Bevorzugt werden hingegen Unternehmen mit überdurchschnittlichen Umwelt- und Sozialstandards.

Im Kreis der eidgenössischen institutionellen Investoren ist das eher die Regel als die Ausnahme. "Vor allem bei Pensionskassen ist reges Interesse an nachhaltigen Anlagestrategien zu verzeichnen", sagt Christoph Butz, Fondsmanager bei der Schweizer Privatbank Pictet. Auch in anderen Ländern zählt das sozial- und umweltverträgliche Investment zu den großen Themen. So beziehen knapp zwei Drittel aller britischen Pensionskassen Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlageentscheidungen mit ein. Nur in Deutschland scheint die Botschaft noch nicht angekommen zu sein. Eine aktuelle Umfrage des Analystenhauses Scoris bei zwölf Pensionskassen ergab, dass nur zwei der befragten Institute nachhaltige Investments in ihrer Strategie berücksichtigen. Über 40 Prozent der befragten Anlageverwalter gaben zu, sich mit nachhaltig orientierten Anlagemöglichkeiten kaum oder überhaupt nicht auszukennen.

Zumindest die Manager von Pensionsfonds sollten sich indes schon von Gesetzes wegen mit diesem Thema befassen. Immerhin steht im Altersvermögensgesetz, dass Pensionsfonds ihre Anleger schriftlich darüber informieren müssen, "ob und wie ethische, soziale und ökologische Belange bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge berücksichtigt werden". Dieser Passus wird jedoch vielerorts nur als lästige Formalie betrachtet. "Das ist doch nur ein rot-grünes Steckenpferd", ereifert sich der Vorstand eines großen deutschen Pensionsfonds.

Die Informationspflicht wird in der Branche sogar teilweise ignoriert. Weil Nachhaltigkeitskriterien in der Anlagepolitik nicht besonders berücksichtigt werden, sehe man auch keine Notwendigkeit, dies dem Kunden schriftlich mitzuteilen, heißt es beim von der HypoVereinsbank verwalteten Chemie-Pensionsfonds. Kein Einzelfall, hat die Privatbank Berenberg beobachtet. "Die Berichtspflicht über die ethische, soziale und ökologische Verträglichkeit ihrer Anlagen wird von den Pensionsfonds nur sehr zögerlich umgesetzt", schreibt das Institut.

Der Ölmulti BP gilt als grün

Auch leere Worthülsen sind keine Seltenheit. Der überbetriebliche Pensor-Pensionsfonds der Commerzbank teilt zwar seinen Kunden einmal pro Jahr mit, dass man Anlagen bei Unternehmen vermeide, bei denen Verstöße gegen ethische oder ökologische Grundsätze bekannt seien. Eine systematische Analyse der Anlagen nach Kriterien des nachhaltigen Wirtschaftens findet hingegen nicht statt. "Nachhaltigkeit ist für mich in der Kapitalanlage allenfalls ein sekundärer Faktor", sagt Pensor-Vorstandschef Hanns-Jürgen Weigel. Bei Siemens Financial Services, wo fast zehn Milliarden Euro an konzerneigenem und externem Betriebsrentenkapital verwaltet werden, heißt es wolkig: Grundsätze seien zwar vorhanden, Richtlinien jedoch nicht. Klare Worte findet immerhin der Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Pensionsfonds AG: "Wir legen nicht nach Nachhaltigkeitskriterien an und teilen dies den Kunden schriftlich mit."

Dabei hat nachhaltiges Investieren nichts damit zu tun, sein Geld auf wenige besonders grüne Kleinunternehmen zu setzen und damit in der Tat ein vergleichsweise hohes Anlagerisiko einzugehen. So hat der schweizerische Vermögensverwalter Sustainable Asset Management (SAM) in Zusammenarbeit mit dem Indexanbieter Dow Jones den breit gestreuten Dow Jones Sustainability Index (DJSI) entwickelt und verwaltet auf Basis dieses Indexes in Publikumsfonds und für institutionelle Kunden Kapitalanlagen nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit.

Grundlage der nachhaltigen Aktienindizes von Dow Jones sind zunächst die Standardwerte-Indizes wie der 2500 Großunternehmen umfassende Dow Jones Global Index oder der europäische Stoxx 600. Die Unternehmen werden dann auf finanzielle und wirtschaftliche Solidität sowie auf ihre Maßnahmen im Umweltschutz und auf das Verhalten in sozialen und gesellschaftlichen Belangen analysiert. Ökonomische, ökologische und ethische Bewertungen werden im Endergebnis zu je einem Drittel berücksichtigt. In den DJSI World Index werden die besten 10 Prozent jeder Branche aufgenommen, in den DJSI Stoxx die besten 20 Prozent. Dazu zählt etwa der britische Ölkonzern BP. Begründung: BP forciere unter anderem die Entwicklung von schwefelarmen Kraftstoffen, wende beim Bau einer Pipeline in Zentralasien hohe ökologische und soziale Standards an und habe bereits erste Erfahrungen im Emissionshandel gemacht. Da kann der französische Konkurrent Total nicht mithalten und ist deshalb im Index nicht vertreten.