Wes Brot ich ess, des Sprach’ ich sprech." Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die gegensätzlichen Beurteilungen der Geldexperten zum Thema Sparen fürs Alter hört. Der Versicherungsvertreter warnt vor stark schwankenden Kursen der Aktienfonds und empfiehlt die Lebensversicherung als das einzig sichere Produkt. Für den Bankberater gibt es kaum eine bessere Lösung als die flexiblen Fondssparpläne, am besten bestückt mit den Aktienfonds des eigenen Hauses. Und die Experten der Bausparkassen rechnen immer wieder vor: Langfristig sicher und lohnend legt eigentlich nur der an, der eine eigene Immobilie erwirbt und dann im Alter mietfrei wohnen kann.

Was tun? Wie über Jahrzehnte monatlich 50, 100 oder 200 Euro sicher und rentabel anlegen? Manfred Poweleit vom Brancheninformationsdienst Map-Report vergleicht die Aufgabe damit, einen Wetterbericht für die kommenden 30 Jahre zu erstellen. Nur wer wagt, kann verlieren! Vor diesem Hintergrund empfiehlt Wolfgang Gerke, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, beim Sparen und bei der Altersvorsorge risikoarme Produkte zu bevorzugen und nur begrenzt und bewusst Risiken einzugehen. Ganz wichtig: Nie alles auf eine Karte setzen, oder in der Sprache der Börsianer "nicht alle Eier in einen Korb legen". Und Moden meiden: Wer 1980 an den ewig steigenden Goldpreis glaubte, 1989 japanische Aktien bejubelte oder 1991 sein Heil in Ostimmobilien suchte, ist um die gleiche Erfahrung reicher wie der, der im Jahr 2000 seinen Spargroschen am Neuen Markt angelegt hat. Darüber hinaus gilt es, die Kosten zu minimieren und finanziell flexibel zu bleiben.

Liquidität ist Trumpf

Insofern stellt selbst das Sparbuch nicht die schlechteste aller Lösungen dar. Doch gibt es andere, sichere und flexible Anlagen wie Tagesgeldkonten und Geldmarktfonds, die lukrativer sind und bei denen ebenfalls kaum Gebühren anfallen. Bei Banksparplänen sollten Sparer genau hinschauen. Je nach Institut und Vertrag sind die Konditionen recht unterschiedlich. Eine Alternative stellt das regelmäßige Sparen in Bundesschatzbriefen dar, die von der Bundesschuldenverwaltung kostenlos verwahrt werden, kein Kursrisiko aufweisen und in den vergangenen 30 Jahren in etwa Renditen wie deutsche Rentenfonds erbrachten.

Komplizierter wird die Sache bei Fondssparplänen. Sie sind flexibel, der Sparer kann jederzeit die Sparrate verändern, ohne Einbußen auch mal mit dem Sparen aussetzen oder sich sein Geld zurückholen. Nur fallen zum Teil hohe Kosten an. Immerhin lässt sich der beim Kauf fällige Ausgabeaufschlag von rund fünf Prozent bei Aktienfonds und etwa zwei bis drei Prozent bei Rentenfonds mitunter durch Verhandeln mit der Hausbank oder durch den Kauf via Internet senken. Darüber hinaus streichen die Fondsgesellschaften noch eine jährliche Managementgebühr ein.

Obwohl sie eher als Mauerblümchen gelten, sind Rentenfonds für langfristige Anleger gut geeignet. Bei geringen Kursschwankungen erwirtschafteten sie ansprechende Renditen. Ihr Nachteil: Zinsen, die den Sparerfreibetrag übersteigen, sind wie bei Banksparplänen und Bundesschatzbriefen voll mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern. Doch sollten steuerliche Aspekte bei der langfristigen Anlage nur eine untergeordnete Rolle spielen, zumal der Gesetzgeber immer wieder Änderungen beschließt.

Laut Angaben des Branchenverbands der Fondsindustrie BVI wurden aus einer Sparrate von monatlich 50 Euro angelegt in EU-weiten Rentenfonds nach 30 Jahren 56576 Euro, entsprechend einer Rendite vor Steuern von 6,79 Prozent im Jahr. Noch besser schnitten die etwas riskanteren internationalen Rentenfonds mit einer Rendite von 7,55 Prozent pro anno über 30 Jahre ab. Angesichts niedriger Renditen am Anleihemarkt sind künftig aber geringere Wertsteigerungen zu erwarten.

Wie riskant das regelmäßige Aktienfondssparen sein kann, zeigen die BVI-Zahlen. Trotz der recht kräftigen Erholung der Aktien in den vergangenen sechs Monaten haben Aktienfondssparer selbst nach zehn Jahren noch Geld verloren, also mehr eingezahlt, als die Fonds derzeit wert sind. Nach 20 Jahren schlagen Rentenfonds – vor Steuern – Aktienfonds noch um Längen. Erst bei einer regelmäßigen Ansparzeit von 30 Jahren liegen Aktienfonds in etwa gleichauf: Nach Berechnungen des BVI, die die Ausgabeaufschläge bereits berücksichtigen, gewannen deutsche Aktienfonds im Schnitt 7,10 Prozent pro Jahr und europäische Aktienfonds 6,97 Prozent. Um die immer wieder proklamierte Überlegenheit der Anlageform Aktie zu untermauern, muss man länger zurück, als der BVI Zahlen hat. Zumindest im aktuellen Renditevergleich hat der Anleger das durch Aktien eingegangene höhere Risiko nicht honoriert bekommen.