DIE ZEIT: Herr Börsch-Supan, Nullrunde für Rentner, immer höhere Beitragssätze und dazu die Meldungen über den Kollaps des gesetzlichen Rentensystems – die Menschen haben Angst um ihre Altersvorsorge. Warum steigen wir nicht voll auf die private, kapitalgedeckte Rente um?

AXEL BÖRSCH-SUPAN: Weil es dazu schon zu spät ist. Um die Rente voll über ein kapitalgedecktes System zu finanzieren, brauchen Sie 40 Jahre. Eine Generation muss ihr Berufsleben lang ansparen können, nur dann funktioniert es. Die demografischen Probleme aber – immer mehr Rentner, immer weniger Beitragszahler – kommen spätestens in zehn Jahren auf uns zu. Und zwar massiv.

ZEIT: Was tun?

BÖRSCH-SUPAN: Ich plädiere für ein Mischsystem aus dem heutigen Umlageverfahren und einer kapitalgedeckten Rente. Es geht nicht darum, die Rentenversicherung komplett auf Kapitaldeckung umzustellen. 40 bis 50 Prozent der Renten über Kapitaldeckung zu erzielen ist dagegen finanzierbar und klug. Das passiert ja auch in Deutschland gerade.

ZEIT: Aber wie sicher ist die private Altersvorsorge? Wer sein Geld in Aktien steckte, hat an der Börse viel Geld verloren.

BÖRSCH-SUPAN: Renditen sind kein Argument. Die interne Rendite im Umlageverfahren ist niedrig, die Rendite am Kapitalmarkt mag etwas höher sein. Aber das ist nicht der Punkt. Wichtig ist doch, dass bei der Kapitaldeckung jede Generation selbst ihre künftige Rente finanziert. Beim Umlageverfahren dagegen bezahlt eine Generation für den Ruhestand der vorherigen – und das wird künftig nicht mehr funktionieren.

ZEIT: Herr Borchert, ist die Kritik am gesetzlichen Rentensystem womöglich deshalb so vehement, weil dieses System heute niemand mehr versteht?